Premiere von "What Next?" und "Trouble in Tahiti"

Junge Regisseure inszenieren Opern-Einakter

Tibor Torell und Philipp Westerbarkei, zwei junge Regisseure aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein, inszenieren die amerikanischen Opern-Einakter "What Next?" von Elliott Carter und "Trouble in Tahiti" von Leonard Bernstein.

Duisburg - Mit der Premiere von "What Next?" und "Trouble in Tahiti" am Samstag, 4. Juni 2016, um 19.30 Uhr im Theater Duisburg präsentiert die Deutsche Oper am Rhein einen neuen Baustein ihrer Nachwuchsförderung: Unter dem Titel ?Young Directors? erhalten junge Künstler aus dem eigenen Ensemble die Gelegenheit, in den Strukturen eines großen Opernhauses erste eigene Inszenierungen zu entwickeln. In dieser Spielzeit stellen sich die Spielleiter Tibor Torell und Philipp Westerbarkei mit zwei amerikanischen Opern-Einaktern des 20. Jahr­hunderts als Regisseure vor.

"Nach meiner Überzeugung gehört es zu den wichtigsten Aufgaben eines Intendanten, junge Talente zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu bieten, eigene Kreativität zu entwickeln und in einem professionellen Rahmen zu präsentieren", so Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein. "Das gilt für junge Sängerinnen und Sänger ebenso wie für unsere Nachwuchsregisseure, -dirigenten und -ausstatter. Aus diesem Grund haben wir ? als Pendant zu den "Young Moves" des Balletts am Rhein - die neue Plattform "Young Directors" geschaffen. In dieser Saison geben wir Tibor Torell und Philipp Westerbarkei die Möglichkeit zu eigen­en Produktionen und setzen das Projekt in der Spielzeit 2017/18 mit weiteren Künstlern aus unserem Ensemble fort."

Mit Elliott Carters einzigem, 1999 uraufgeführten Musiktheaterwerk "What Next?" und Leonard Bernsteins erster, 1952 geschriebener Oper "Trouble in Tahiti" treffen zwei Komponisten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten - zugleich berühren sich ihre Opern jedoch in zutiefst menschlichen Fragen nach Identität, Wahrnehmung, Beziehungen, Sinn und der Sehnsucht nach Glück. Paul Griffiths, der Librettist von "What Next?" wird als Premierengast erwartet.

Carters "What Next?" spielt in einer aus den Fugen geratenen Welt, in der es keine Orientierung und keinerlei Hilfe mehr gibt: Ein Unfall ist geschehen. Die sechs Opfer sind unverletzt, können sich aber nicht mehr erinnern, wie und warum sie in diese Lage gekommen sind und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Nur langsam, stückweise und stockend kehren ihre Stimmen zurück. In mehreren Anläufen versuchen sie die Situation zu klären - vergeblich. "Zwischen den Figuren herrscht vollkommene Gleichgültigkeit, die totale zwischenmenschliche Ignoranz", so Regisseur Tibor Torell, "behauptet doch jeder seine eigene Wahrheit, ohne den anderen wahrzunehmen." Auch musikalisch betont Carter nicht das Zusammenspiel, sondern das Individuelle jeder einzelnen Stimme, indem er jeder Figur bestimmte Intervalle, Rhythmen und instrumentale Farben zuordnet .

Im Gegensatz dazu scheint die äußere Welt in Bernsteins "Trouble in Tahiti" auf geradezu beängstigende Weise intakt: Clean und geordnet erscheint das Familienleben von Sam und Dinah, die mit ihrem Sohn in einer typisch amerikanischen Vorstadt 50er Jahre leben. Doch schon beim Frühstück wird gestritten, und während sich Sam an seinen beruflichen und sportlichen Erfolgen berauscht, verbringt Dinah ihre Tage beim Psychater und im Kino. "Der schöne Schein, den es nicht zuletzt auch gegenüber dem eigenen Kind zu wahren gilt, wird von geschwür-artig wuchernden Missverständnissen immer mehr aufgefressen", sagt Philipp Westerbarkei über Bernsteins von Jazz- und Musical-Elementen geprägte Oper, die schon den Komponisten der "West Side Story" verraten.

Tibor Torell inszeniert Carters "What Next?", Philipp Westerbarkei bringt Bernsteins "Trouble in Tahiti" auf die Bühne. Ana Tasic und Tatjana Ivschina gestalten die Bühnenbilder und Kostüme. Für die musikalische Umsetzung sorgen Jesse Wong und Patrick Francis Chestnut mit erfahrenen Solisten aus dem Ensemble und den Duisburger Philharmonikern.