10.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Potsdamer Stadtverordnete stimmen gegen Garnisonkirche

Potsdamer Stadtverordnete stimmen gegen Garnisonkirche

Bürgerbegehren von Wiederaufbau-Gegnern findet Mehrheit

In Potsdam wird die während der DDR-Zeit gesprengte Garnisonskirche nicht wieder aufgebaut.

Potsdam - Die Stadtverordnetenversammlung stimmte bei einer Sondersitzung bei breiter Enthaltung dem Bürgerbegehren zu. Damit wird ein folgender Bürgerentscheid vermieden. Die Bürgerinitiative "Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche" hatte bei dem Bürgerbegehren ausreichend Stimmen mit dem Ziel gesammelt, die Stiftung zum Wiederaufbau der Garnisonkirche aufzulösen. Das gilt jedoch stiftungsrechtlich nicht als durchsetzbar.

Anders als bei der Frauenkirche in Dresden gibt es in Potsdam keinen breiten Rückhalt für den Neubau der historischen Kirche. Hintergrund ist einerseits die Historie des Gebäudes. Aber auch die christlich-konservative Ausrichtung der Befürworter eines Wiederaufbaus sowie die Bedeutung des Gebäudes als Verehrungsort der preußischen Monarchie spielten eine Rolle.

Die kriegsbeschädigte Ruine der Garnisonkirche war 1968 auf Geheiß der SED gesprengt worden. Am 21. März 1933 hatte dort der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg bei einem Festakt zur Konstituierung des Reichstages Reichskanzler Adolf Hitler demonstrativ die Hand gereicht. Dies gilt als Symbol der Verbindung zwischen preußischen Traditionen und dem Nationalsozialismus.

Die Initiative zum Wiederaufbau der umstrittenen Kirche geht auf die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel um einen ehemaligen Bundeswehroffizier aus Nordrhein-Westfalen zurück, die sich seit 1984 für dieses Ziel einsetzt. Die christlich-konservativen Initiatoren lehnen die Einrichtung der Kirche als Versöhnungsort, die Berufung von Frauen als Pfarrer sowie die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ab. Ziel der Initiatoren war der Neubau der Kirche als Denkmal und Symbol des christlichen Preußens. Nach heftigem Streit waren die Initiatoren aus dem Vorhaben ausgestiegen und hatten die von ihr gesammelten Spendengelder in Millionenhöhe gesperrt.

Zum 70. Jahrestag des Anschlages auf Adolf Hitler hatte die evangelische Kirche die derzeitige Kapelle am Ort des geplanten Neubaus der Garnisonkirche in Nagelkreuzkapelle umbenannt.

(xity, AFP)


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