24.09.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Portrait-Restaurierung im Jagdschloss beendet

Portrait-Restaurierung im Jagdschloss beendet

Freunde der Museen Burg Linn suchen Bildpaten

Der 9. Februar 1601 ist ein entscheidender Tag in der Stadtgeschichte Krefelds: Jost Wirich von Pelden gen. Cloudt eroberte "by nechtlicher weill mitt gewallt", wie ein Zeitgenosse festhielt, im Auftrag von Moritz von Oranien die Burg Krakau bei Krefeld.

Krefeld - Er sicherte für den Monarchen gegen die Interessen der Herzöge von Kleve so dessen Erbe, das ihm die Gräfin Walburg von Neuenahr-Moers gut ein Jahr zuvor vermacht hatte. Die Neutralitäts- und Toleranzpolitik unter der oranischen Herrschaft ermöglichte in der Folgezeit die Zuwanderung der Mennoniten und damit die spätere Entwicklung Krefelds zur wohlhabenden Samtund Seidenstadt. Im Jagdschloss des Museums Burg Linn können Besucher nun das restaurierte Portrait des Jost Wirich von Pelden gen. Cloudt besichtigen. "Es ist eines der ältesten Portraits, die wir im Jagdschloss haben. Deswegen haben wir es auch restaurieren lassen", sagt Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Leiter des Museums Burg Linn.

Das Ölbild auf Leinen hängt erst seit anderthalb Jahren im Jagdschloss, vorher befand es sich im Magazin. Es stammt von einem unbekannten Meister um das Jahr 1600, also unmittelbar aus der Zeit der Eroberung der Burg Krakau. Bildrestauratorin Majka Gembala-Dauksza hat in gut einmonatiger Arbeit das Werk gereinigt und schadhafte Stellen ausgebessert. "Das Bild muss einmal größer gewesen sein", berichtet Gembala-Dauksza. Vielleicht sei es aus einem größeren Rahmen herausgeschnitten worden. Da es einige Zeit gerollt und dabei auch noch plattgedrückt worden war, seien Streifen auf dem über 400 Jahre alten Bild entstanden. Eine schlechte Lagerung, sicherlich vor dem Zweiten Weltkrieg, und mindestens eine unsachgemäße Restaurierung nach 1945 haben ihr Übriges zum Zustand beigetragen. Mit der Unterstützung eines Bildpaten sowie der Freunde der Museen Burg Linn konnte die rund 1300 Euro teure Aufarbeitung des Gemäldes nun finanziert werden.

Als das Bild entstand muss Jost Wirich von Pelden gen. Cloudt etwa 40 Jahre alt gewesen sein. Er ließ sich in einer dunklen Rüstung malen. Seinen Hals ziert ein weißer Spitzenkragen, sein Helm mit roten Federn liegt neben ihm, eine Hand geht an den Degen. Gembala-Dauksza vermutet, dass es sich um ein Gemälde aus einer Werkstatt handelt. Das sei zu dieser Zeit durchaus üblich gewesen. Die feine Darstellung des Gesichtes und die den Proportionen jedoch nicht entsprechenden Hände deuten auf die Arbeit von mindestens zwei Malern hin, so die Bildrestauratorin.

Jost Wirich von Pelden gen. Cloudt gehörte zu einer bekannten Familie, deren Mitglieder sich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an mancher Schlacht beteiligten. "Das waren Haudegen", sagt Dr. Christoph Reichmann, Leiter des Museums Burg Linn. Dazu passt die Eroberung der Burg bei Krefeld: Von Wachtendonk kommend rückte von Pelden gen. Cloudt mit 300 Reitern aus Nimwegen und zusätzlichem Fußvolk gegen die Festung an. Die Burg gehörte zu diesem Zeitpunkt als Pfand dem Haus von Isenburg. Dessen Besatzung von 16 Mann hatte es in der kalten Februarnacht versäumt, den Burggraben offen zu halten. So erreichte ein Trupp des von Pelden gen. Cloudt über das Eis die Vorburg und eröffnete das Feuer. Die Burgsoldaten zogen sich auf die Hauptburg zurück. So konnten die Angreifer an die Zugbrücke gelangen, die sie herunterließen, brachten ein Geschütz vor dem Tor der Hauptburg in Stellung und feuerten. Gegen Morgen gaben die Burgsoldaten in aussichtsloser Lage auf und von Pelden gen. Cloudt übernahm für die Oranier die Macht über die Stadt und die Herrlichkeit Krefeld.

"Die Bildpatenschaften sind ganz wichtig", betont Heide Gerritzen, Vorsitzende der Freunde der Museen Burg Linn. Obwohl in den vergangenen Jahren einige Gemälde aufgearbeitet werden konnten, warten unter anderem einige "Nachbarn" von Jost Wirich von Pelden gen. Cloudt im Kurfürsten-Zimmer des Jagdschlosses noch auf eine Aufarbeitung. Für die Restaurierung seien kleine und große Spenden, Privatleute und Unternehmen als Paten gewünscht. Die Spenden können einem konkreten Exponat zugeordnet werden. Über die Beträge stelle der Verein auf jeden Fall eine Spendenquittung aus. Ansprechpartner ist Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Leiter des Museums Burg Linn, unter der Telefonnummer 02151 15539115 oder per E-Mail chr.dautermann@krefeld.de. "Es besteht auch die Möglichkeit, dass ich Interessierten die Exponate vor Ort vorstelle", so Dautermann. Weitere Informationen über den Förderverein stehen unter www.museumlinn.de


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