26.08.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Polizei registriert mehr Opfer von Kindesmisshandlungen

Polizei registriert mehr Opfer von Kindesmisshandlungen

Zahl der getöteten Kinder etwas gesunken

Die Zahl der getöteten Kinder in Deutschland ist im vergangenen Jahr gesunken - zugleich wurden aber mehr Fälle von körperlicher Misshandlung registriert.

Berlin - 2013 wurden insgesamt 153 Kinder getötet, das waren rund acht Prozent oder 14 Fälle weniger als im Vorjahr, wie der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, in Berlin erklärte. Am häufigsten betroffen waren demnach Neugeborene bis unter Sechsjährige. 61 Fälle waren laut der polizeilichen Kriminalstatistik Mord- und Totschlagsdelikte.

Wenngleich die Zahl der getöteten Kinder von Jahr zu Jahr schwankt, gibt es doch seit zehn Jahren einen insgesamt rückläufigen Trend. Gleichwohl zeichneten diese Zahlen "ein trauriges Bild", sagte Ziercke. Durchschnittlich kämen jede Woche drei Kinder durch Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung oder Körperverletzung mit Todesfolge ums Leben.

Einen Anstieg verzeichnete die vom BKA und der Deutschen Kinderhilfe vorgelegte Statistik bei den Kindesmisshandlungen. Nachdem die Zahl der Opfer im Jahr 2012 erstmalig gesunken war, wurden 2013 wieder 4051 Misshandlungen registriert. Das war ein Anstieg von 1,3 Prozent.

14.877 Kinder wurden im vergangenen Jahr Opfer sexueller Gewalt, das war ein leichter Rückgang um 1,8 Prozent. Damit werden im Durchschnitt 40 Kinder pro Tag missbraucht. Die von der Polizei erfassten Fälle des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischen Materials stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 16,4 Prozent auf 6691 Fälle.

Die Experten gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus. Die meisten Kindesmisshandlungen passierten fernab der Öffentlichkeit, betonte Ziercke. "Gewalt und sexueller Missbrauch an Kindern sind schwere Straftaten mit einem großen, teils lebenslang andauernden Schaden für die Opfer." Die in einigen Bereichen sinkenden Opferzahlen seien kein Anlass zur Entwarnung, denn jeder einzelne Fall sei "eine Tragödie".

"Gewalt gegen Kinder ist in Deutschland immer noch trauriger Alltag", sagte auch Rainer Becker, Chef der Deutschen Kinderhilfe. Ursache sei in vielen Fällen ein "löchriges Kinder- und Jugendhilfesystem". Becker forderte "frühe Hilfen" für überforderte Familien und einen Ausbau der Beratungsangebote, vor allem auf dem Lande. Dazu gehöre auch eine bundesweite Kinderschutz-Hotline, wie es sie bereits in Mecklenburg-Vorpommern gebe.

Zugleich forderte Becker einen strukturellen Umbau der Kinder- und Jugendhilfe. Nötig seien einheitliche Fachstandards, eine gerechte Entlohung und eine Entlastung der Mitarbeiter. Allerdings nütze alles Engagement nichts, wenn Nachbarn oder Angehörige vor Missbrauch und Gewalt "die Augen verschließen". Nach wie vor würden Gewalttaten gegen Kinder zu selten angezeigt.

(xity, AFP)


Copyright 2019 © Xity Online GmbH