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Politikbetrieb flößte Claudia Roth zuweilen Angst ein

Grünen-Politikerin spricht über Druck und Dauerstress

Ängste, Einsamkeit, Dauerstress: In einem Interview mit dem "Stern" hat Claudia Roth eine ungeschminkte Bilanz ihrer zwölf Jahre als Grünen-Chefin gezogen.

Berlin - Roth beschrieb diese Zeit als "ein Leben auf der Überholspur, die ganze Zeit auf Speed, immer im Kampf mit dem politischen Gegner, ständig online, in jeder Nacht das Handy neben deinem Kopfkissen."

Im Amt habe sie die Angst begleitet, "etwas nicht zu wissen oder bei einem Fehler als schwach zu gelten", verriet Roth. Es war "Angst vor den Journalisten, die mich Montag für Montag rund um die Parteivorstandssitzungen ins Kreuzverhör nahmen. Ich hatte nicht immer auf jede Frage eine Antwort".

Der "schwerste Moment" ihres Lebens sei gekommen, als sie mitten im Bundestagswahlkampf 2013 die Nachricht vom Tod ihrer Mutter erhalten habe. Nur widerwillig sei sie bereits einen Tag nach der Beerdigung wieder auf Wahlkampftour gegangen. "Ich habe das alles einfach nicht mehr zusammengekriegt. Ich habe mich gefragt: Was mache ich hier eigentlich, ich habe ja nicht mal Zeit zu trauern?"

Erst Monate später sei die Trauer gekommen, "sie hat mich überwältigt. Plötzlich spürte ich, dass mir die Kraft ausgeht". Eine "unendliche Einsamkeit" sei über sie gekommen, sagte Roth. "Ich hatte Angst davor, durch den Druck weiter funktionieren zu müssen, mich allmählich aufzulösen."

(xity, AFP)


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