31.10.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Planungsamt fordert Ersatzgewehr für Bundeswehreinsätze

Planungsamt fordert Ersatzgewehr für Bundeswehreinsätze

G36-Probleme offenbar drastischer als bisher bekannt

Die Bundeswehr hat massive Probleme bei der Treffsicherheit des G36 eingeräumt.

Berlin - Als Reaktion auf die Probleme mit dem Sturmgewehr G36 fordert das Planungsamt der Bundeswehr einem Medienbericht zufolge umgehend die Beschaffung einer alternativen Waffe für die Einsätze deutscher Soldaten. Die Probleme des G36 seien drastischer als bislang bekannt.

In einer Bewertung der neuen Testergebnisse über den Präzisionsverlust der Standardwaffe der Bundeswehr schreibe das Planungsamt, die Bundeswehr solle umgehend die "Beschaffung geeigneter Sturmgewehre" samt Munition "als Interimslösung für die Bedarfe aktueller Einsätze" einleiten, berichtete "Spiegel Online".

Demnach beschreibt das Planungsamt die Probleme des G36, die bei den Tests festgestellt worden sind, drastischer als bisher bekannt. "Nach dem Verschuss von zwei Magazinen" sei "ein gezieltes Treffen des Gegners nicht mehr zuverlässig gewährleistet", heißt es dem Bericht zufolge in der Bewertung. Heiß geschossen sinke die Trefferwahrscheinlichkeit des G36 auf 53 Prozent. Nach dem dritten Magazin treffe nur noch jedes dritte Geschoss das Ziel.

"In fordernden Gefechten" sei das "präzise Bekämpfen des Gegners" mit dem G36 deswegen nicht möglich, zitierte "Spiegel Online" die Stellungnahme des Planungsamts. Die Experten bezeichneten das G36 demnach als "nicht in vollem Sinne einsatzreif" und "nur eingeschränkt tauglich". "Im Sinne der Überlebens- und Durchhaltefähigkeit" sei mit dem G36 für die Soldaten im Einsatz eine "erhebliche Fähigkeitslücke" festzustellen.

Die Bundeswehr hat massive Probleme bei der Treffsicherheit des G36 eingeräumt. Diese treten bei hohen Außentemperaturen sowie bei Hitzeentwicklung durch intensives Schießen auf. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte im vergangenen Sommer eine technische Prüfung in Auftrag gegeben, die nun vorliegt. In den kommenden Wochen will die Ministerin Konsequenzen für den Einsatz der Waffe prüfen.

Zwar wurde das Gewehr schon vor von der Leyens Amtszeit beschafft, die Opposition sieht jedoch auch Fehler der Ministerin. "Als beim G36 konkrete Taten gefordert waren, ging auch unter Ursula von der Leyen das Verschleiern nahezu ungebrochen weiter", erklärte die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Agnieszka Brugger, in Berlin. "Es wurden und werden Hinweise ignoriert, Bedenken lächerlich gemacht, Manipulationsversuche an Berichten im Ministerium verteidigt, die Prüfung von Schadensersatzansprüchen wahrheitswidrig geleugnet und dem Parlament entscheidende Informationen auch auf Nachfrage vorenthalten."

(xity, AFP)


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