Pflegearbeiten in Düsseldorfer Naturschutzgebieten

Schutz besonders bedeutender Biotope

Die Untere Naturschutzbehörde im Garten-, Friedhofs- und Forstamt startet mit dem Herbstbeginn in die Pflege- und Entwicklungsarbeiten in den Düsseldorfer Naturschutzgebieten.

Düsseldorf - Ziel ist der Schutz besonders bedeutender Biotope sowie die Schaffung von Biotopen, die im Stadtgebiet unterrepräsentiert sind. Die Arbeiten beginnen im Oktober und dauern bis Februar/März an. Einige der Maßnahmen sollten bereits im vergangenen Winterhalbjahr durchgeführt werden, mussten aber verschoben werden, da die Flächen aufgrund von Hochwasser nicht befahrbar waren.

Himmelgeister Rheinbogen

Auf den Wiesen im Naturschutzgebiet "Himmelgeister Rheinbogen" steht eine Vielzahl von Kopfweiden, die sehr alt sind und einen dementsprechenden Habitus mit zum Teil hohlen Stämmen aufweisen. Der Erhalt dieses besonderen Biotops "Kopfweide" erfordert den Rückschnitt der Stämmlinge oberhalb des Stammes in einem Rhythmus von etwa fünf Jahren. Ohne Rückschnitt werden die Stämmlinge zu schwer und ihre Last führt dazu, dass die Kopfweidenstämme auseinanderbrechen und als Lebensraum für darauf angewiesene Tierarten verloren gehen. Insgesamt stehen auf den Wiesen rund 250 Kopfweiden. Jedes Jahr schneidet die Untere Naturschutzbehörde etwa ein Fünftel davon, sodass verschiedene Entwicklungsstadien der Kopfbäume nebeneinanderstehen. Die Kopfbäume bilden zusammen mit den Wiesen und Weiden den Lebensraum zum Beispiel für den seltenen Steinkauz, der mit mehreren Paaren im Himmelgeister Rheinbogen brütet.

Urdenbacher Kämpe

Bereits seit einigen Jahren setzt die Untere Naturschutzbehörde das in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station Haus Bürgel erarbeitete Pflegekonzept für die Biotope in der Urdenbacher Kämpe um. Ziel dieses Konzepts ist es, die seltenen und besonders schutzwürdigen Biotoptypen in ihrem Bestand zu sichern und zu entwickeln.

Auf einer kurz nach dem Ortsausgang Urdenbach gelegenen Fläche befindet sich der Rest einer Lindenallee, der vollkommen unter Strauchwuchs verschwindet und in seinem Alleecharakter nicht mehr erkennbar ist. Der Unterwuchs aus Sträuchern soll beseitigt werden, um die Linden freizustellen und als Allee wieder erfahrbar zu machen.

Am Baumberger Weg haben sich die als Straßenbäume gepflanzten Silberpappeln vermehrt, sodass auf einer kleinen Fläche ein hochragendes Silberpappel-Gebüsch entstanden ist. Die Bäume verbreiten sich über Wurzelausläufer in die angrenzenden Wiesen und beeinträchtigen die Nutzung und die Entwicklungsmöglichkeiten der Wiese. Sie werden daher gerodet und die Fläche eingesät. Ein Teil der Wiese ist als FFH-Lebensraumtyp "Flachland-Mähwiese" eingestuft. Dahingehend soll sich auch der Rest der Wiese entwickeln können.

Auch aus einer nordöstlich des Baumberger Wegs verlaufenden, sehr dicht stehenden Pappelreihe sollen vier Bäume entfernt werden. Die Baumreihe wird dadurch lichtdurchlässiger, sodass die Verschattung des nördlich angrenzenden FFH-Lebensraumtyps "Flachland-Mähwiese" verringert wird.

Obstwiesen sind ein das Landschaftsbild in der Urdenbacher Kämpe prägender Biotoptyp. Im Frühjahr beeindrucken sie die Erholungssuchenden durch ihren Blütenreichtum. Zudem sind Obstwiesen auch aus naturschutzfachlicher Sicht wertvolle Bestandteile des Landschaftsraums, die den Lebensraum für eine vielfältige Fauna und Flora bilden. Damit sich die Obstbäume optimal entwickeln, benötigen sie Licht. Südlich des Stümpeweges liegt die Lebel-Wiese. Sie verdankt ihren Namen der dort vorherrschenden Apfelbaum-Sorte 'Jakob Lebel'. Die Wiese wird zurzeit im Südosten und Süden von hochgewachsenen Pappeln beschattet und in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. Auf der südöstlichen Seite werden vier alte Pappeln entfernt, damit die Obstbäume durch einen höheren Lichteinfall gefördert werden. An der südwestlichen Ecke der Wiese wird die Krone einer alten Pappel gekappt, um den entstehenden Torso als Lebensraum für totholzbewohnende oder davon lebende Insektenarten zu entwickeln.

Obstbaumpflege

Im Bereich der Straßen Ortweg, Am Ausleger und Enge Gasse liegen die meisten Obstwiesen der Urdenbacher Kämpe. Auch in diesem Winter werden die Obstbäume geschnitten. Jedes Jahr werden so stadtweit rund 1.000 Obstbäume gepflegt. Der Schnitt steuert bei jungen Obstbäumen die Entwicklung der Krone. In diesem Stadium wird die Grundlage für ein Astgerüst entwickelt, das stabil genug ist, um einen reichen Fruchtbehang zu entwickeln und bis zur Reife tragen zu können. Bei älteren Bäumen dient der Schnitt dem Erhalt der aufgebauten Krone. Hier werden vorwiegend Äste entfernt, die sich gegenseitig beschatten. An älteren Bäumen wird nur krankes und totes Holz entnommen, mit dem Ziel, die Statik des Baums zu verbessern und gerade auch Exemplare, die Höhlen in Stamm und Ästen aufweisen, möglichst lange zu erhalten.

Die Arbeiten in der Urdenbacher Kämpe  (mit Ausnahme der Obstbaumpflege) werden von der Bezirksregierung mit Landesmitteln aus dem Förderprogramm "Richtlinien investiver Naturschutz-Managementpläne" mit bis zu 80 Prozent der Kosten gefördert. Den Eigenanteil finanziert die Stadt. Private Spendengelder ermöglichen die Pflege der Kopfweiden im Himmelgeister Rheinbogen.