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Pflege bringt Angehörigen große psychische Belastungen

Umfrage: Ein Drittel klagt über Depressionen

Zahlreiche pflegende Angehörige klagen über große psychische Belastungen mit depressiven Phasen. Besonders hoch ist die Anfälligkeit dafür, wenn Demenzkranke zu Hause betreut werden.

Zahlreiche pflegende Angehörige klagen über große psychische Belastungen mit depressiven Phasen. Besonders hoch ist die Anfälligkeit dafür, wenn Demenzkranke zu Hause betreut werden. Das geht aus einer Forsa-Umfrage für die Pflegeberatung des Verbands der privaten Krankenversicherungen (PKV) hervor.

In der repräsentativen Erhebung vom Juni bejahte ein Drittel der befragten Angehörigen (32 Prozent) die Aussage ganz oder teilweise, dass die Pflege sie in eine "depressive Phase" gebracht habe. Bei denen, die einen Verwandten mit einer ärztlich bestätigten Demenzdiagnose in eigener Regie versorgen, waren es sogar 40 Prozent.

Insgesamt fühlten sich 20 Prozent der Angehörigen häufig mit der Pflege überfordert, weitere 45 Prozent manchmal. Bei Frauen war dies stärker ausgeprägt als bei Männern. 73 Prozent empfanden die Pflegesituation als emotional und psychisch belastend, ein Grund war der Schlafmangel. 52 Prozent verwiesen zudem auf Einschränkungen bei Freizeitaktivitäten und den Rückgang sozialer Kontakte.

Die Befragung war von der Pflegeberatungstochter des PKV namens Compass in Auftrag gegeben worden. Dort können sich Versicherte und Angehörige beraten lassen. An der Umfrage nahmen 1003 Menschen teil, die Angehörige allein oder mit professioneller Unterstützung etwa durch einen Pflegedienst ganz oder teilweise zu Hause betreuen. In fast der Hälfte der Fälle (46 Prozent) handelte es sich um Kinder, die eigene Eltern versorgten. Den eigenen Partner betreuten elf Prozent, weitere 16 Prozent ein Elternteil ihres Partners, vier Prozent eigene Kinder.

Hauptmotiv für die Versorgung von Verwandten sind persönliche Motive. 63 Prozent gaben an, es sei ihnen selbst ein Bedürfnis und Anliegen. Etwa genau so viele (60 Prozent) betonten, sie hätten es dem Betroffenen versprochen. Finanzielle Beweggründe spielen nur für eine Minderheit (neun Prozent) eine Rolle.

Nach den neuesten verfügbaren Angaben des Statistischen Bundesamts, die auf Daten aus dem Jahr 2013 basieren, werden fast Dreiviertel der 2,63 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause betreut. Das waren etwa 1,86 Millionen Menschen. Davon erhielten rund 1,25 Millionen ausschließlich Pflegegeld, was den Statistikern zufolge bedeutet, dass sie in der Regel allein durch Angehörige versorgt wurden und keine ambulanten Dienste nutzten.

Die Ergebnisse der Compass-Studie decken sich mit einer Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) von 2014. 60 Prozent der pflegenden Angehörigen beschrieben ihre Situation dabei als kraftraubend. 50 Prozent gaben an, sie seien oft körperlich erschöpft. 30 Prozent bezeichneten ihre eigenen Gesundheit in Folge der Pflege als angegriffen.

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), lobte das große Engagement pflegender Angehörigen trotz der hohen Belastungen. Bei einer Demenz würden sich das Verhalten und die Kommunikation des Erkrankten deutlich verändern, sagte Laumann der "Passauer Neue Presse". "Sich darauf einzustellen, ist nicht einfach."

© 2015 AFP


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