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Pantaleon-Kirmes in Krefeld-Uerdingen

Kirmestradition fast 600 Jahre alt

In der Rheinstadt Uerdingen begann am Samstag, 26. Juli 2014, die traditionelle Pantaleons-Kirmes. Auf dem historischen Marktplatz vor dem Rathaus können sich die Besucher dann auf den Fahrgeschäften wie dem Auto-Scooter vergnügen.

Krefeld - Zudem stehen dort Schießbuden, ein Kettenflieger und Kinder-Karussels. Die Kirmes- oder Jahrmarkt-Tradition in Uerdingen ist nunmehr fast 600 Jahre alt. Im Februar 1462 verlieh Erzbischof Dietrich von Köln den Rheinstädtern einen "neuen Jahrmarkt“, der am St. Laurentiustag (10. August 2014) abgehalten werden sollte. In dieser Urkunde sicherte der Erzbischof allen Besuchern drei Tage vor und drei Tage nach dem Jahrmarkt sicheres Geleit zu. Dies galt jedoch nicht für die Feinde des Erzstifts sowie überführte und ungesühnte Missetäter.

Händler von nah und fern kamen zum 10. August 2014 jeden Jahres fortan in das Rheinstädtchen, um dort ihre Waren anzubieten. Zu ihnen gesellten sich am Laurentiustag Musikanten, Gaukler, Drehorgelspieler und reisende Schausteller. Das Recht, einen Jahrmarkt zu veranstalten, blieb Uerdingen erhalten. Doch nach über 300 Jahren wurde der Termin zum ersten Mal geändert. Im Jahr 1774 wurde der Markt vom Laurentiustag auf den ersten Mittwoch nach St. Katharina (25. November) verlegt. Daneben gab es noch einen weiteren Markttag am Mittwoch nach Aschermittwoch. In das Ende des sommerlichen Juli kam der Markt erst in der Franzosenzeit. Am 13. April 1808 wurde aus den zwei Jahrmärkten wieder eine Veranstaltung. Seitdem feiern die Uerdinger ihre Kirmes ab dem Sonntag vor Pantaleon (27. Juli). Pantaleon ist übrigens ein christlicher Heiliger, der im Jahr 305 für seinen Glauben als Märtyrer gestorben sein soll.

In diesem Jahr startete das bunte Treiben zum Jubiläum bereits am Samstag. Früher wurde die Kirmes mit dem Zylinderschwenken des Bürgermeisters oder des Bezirksvorstehers erst nach dem sonntäglichen Gottesdienstes vom Balkon des Rathauses am historischen Marktplatz eröffnet. Drehorgelspieler beschallten dann den Platz und das Fest begann. In den Straßen und Gassen hingen Girlanden und zahllose blau-rote Fahnen schmückten die Häuser, deren Fenster und Wände häufig wegen der Kirmes frisch gestrichen wurden. Der Besuch auf dem Festplatz war noch ein gesellschaftliches Ereignis. Für den Kirmesbesuch putzten sich die Uerdinger heraus, denn man wollte nicht nur sehen, sondern auch gesehen werden. In manchen Gesinde-Verträgen wurden sogar freie Tage für den Jahrmarkt und ein zusätzliches Kirmesgeld vereinbart. In den Familien wurde eifrig gebacken und geschmort. Es gab besonders leckeren Kirmesweck mit Rosinen, Mandeln, Citronat und auch saftigen Kirmesbraten. Abends ging es dann gemeinsam zum Tanz. Nachbarschaften feierten fröhlich miteinander und Verwandtenbesuche wurden erwartet. Im 20. Jahrhundert etablierte sich der Brauch des arbeitsfreien Kirmesmontags. Die Verwaltungsangehörigen hatten dienstfrei und viele Industriebetriebe gaben ihren Mitarbeitern ebenfalls frei.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielten die Schausteller nicht einfach einen Stellplatz. Ab 1870 wurden die Plätze 14 Tage vor dem Start des Jahrmarktes verlost. Einzig die beiden "Pferdekarussells“ mit geschnitzten und bunt bemalten Pferdchen der Schausteller Pütz und Kronenberg bekamen immer denselben Ort zugesprochen. Statt die Fahrbetriebe durch das Drücken von starken Männern in Gang zusetzen, wurden bei den Pferdekarussells in späteren Jahren im Innenbereich echte Pferde für den Antrieb verwendet. Eine neue Technik, von der die Kirmesbesucher zuerst etwas Angst hatten.

Mit dem Anwachsen der Uerdinger Bevölkerung wurde auch der Kirmesplatz ausgeweitet. Nördlich der Krefelder Straße kam ein zusätzlicher Platz für Buden und Karussells hinzu. Die lukrative Kirmes in der Rheinstadt bestückten die Schausteller auch mit modernen Fahrgeschäften. Der Dampfantrieb verdrängte die Pferde, und im Jahr 1920 baute ein Düsseldorfer Schausteller erstmalig eine Berg- und Talbahn in Uerdingen auf. Nachdem dieser Kirmesplatz verkauft worden war, verlagerte sich das Kirmestreiben auf den Platz Am Röttgen. In diesem Jahr konzentriert sich das bunte Treiben alleinig auf den historischen Marktplatz. Den Abschluss der Kirmestage bildete damals wie auch heute noch ein großes Feuerwerk, das am kommenden Dienstag ab etwa 22.30 Uhr direkt über den Köpfen der Besucher vom Dach des Rathauses abgefeuert wird und den Nachthimmel über Uerdingen hell erleuchten wird.


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Pantaleon-Kirmes in Krefeld-Uerdingen
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