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Oper am Rhein trauert um Bogdan Nicula

Tanzpersönlichkeit erliegt Folgen seiner Krankheit

Das Ballett am Rhein hat eine seiner prägnanten Tänzerpersönlichkeiten verloren.

Düsseldorf - Am gesterigen Sonntag starb der aus Bukarest stammende Bogdan Nicula an den Folgen der Nervenerkrankung ALS. Die Abkürzung steht für "Amyothrophe Lateralsklerose", eine unheilbare Erkrankung des Nervensystems mit fortschreitendem Schwund der Muskulatur. Auf der Bühne war Nicula zuletzt in der Uraufführung "DEEP FIELD" beim Festival Musica Sacra in Maastricht im September 2014 zu erleben gewesen. Im Theater Duisburg tanzte er vor fast genau einem Jahr in Martin Schläpfers "Ein Deutsches Requiem".

Bereits zu Beginn der laufenden Spielzeit musste sich Bogdan Nicula aufgrund der rapiden Verschlechterung seines körperlichen Zustands von Proben und Training zurückziehen. Seine Kreativität pflegte er dennoch weiter: Für seine Tänzerkollegen Jackson Carroll, Helge Freiberg und Paul Calderone kreierte Nicula in der letzten Phase seines aktiven Schaffens eine Choreographie zu Klaviersonaten Prokofjews, die er gemeinsam mit der Künstlerin Yvonne Schweidtmann im Januar 2015 als Crossover-Projekt "KRIEGSSONATEN" präsentierte. Den Applaus nahm Nicula sichtlich bewegt zu diesem Zeitpunkt bereits im Rollstuhl sitzend entgegen. Konstante Unterstützung erfuhren Bogdan Nicula und sein Lebenspartner durch die Ballettcompagnie und die Ballettfreunde, die sich unter anderem dafür einsetzten, dass die Familie des Tänzers regelmäßig nach Deutschland reisen konnte.

Mit Martin Schläpfer verband Bogdan Nicula eine intensive und ungewöhnlich lange künstlerische Zusammenarbeit von 15 Jahren. Im Jahr 2000 engagierte Schläpfer ihn für das ballettmainz und übernahm ihn 2009 in das Ballett am Rhein. Für Martin Schläpfer gehörte Bogdan Nicula zu den wichtigsten Tänzern, mit denen er je zusammengearbeitet hat. Sein Verlust trifft ihn tief: "Bogdan Nicula war ein großartiger Tänzer und hat mich sehr inspiriert. Eine männliche Muse war er für mich. Unvergesslich werden mir seine geschmeidige und trotzdem in jedem Moment explodieren könnende Körperkraft, seine technische Virtuosität und präzise Linienführung und seine Bühnenpräsenz sein. Er wusste, was er wollte und hat das auch eingefordert - von sich selber, aber auch von seiner Umgebung. Er war ein Künstler - ein Rebell auch. Nur das Beste war für ihn eine Option. Ich - wir alle - sind sehr traurig. Beim Ballett am Rhein liegt seit Monaten eine leise Trauer, eine Ohnmacht in der Luft. Die Radikalität und das gnadenlose Tempo seiner ALS-Erkrankung haben uns alle stumm gemacht. Er selbst hat seiner Krankheit und ihrem brutalen Verlauf mit einer optimistischen Einstellung entgegengestanden, die seinesgleichen sucht. Ich werde ihn sehr vermissen." Martin Schläpfer hatte dem Ausnahmetalent sein im Januar 2015 uraufgeführtes Stück "verwundert seyn - zu sehn" gewidmet, in dem der Umgang mit dem Leben und dem Tod eindrücklich thematisiert wird.


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