Oper am Rhein plant Programm für Dezember 2020

Fünf Premieren in Düsseldorf und Duisburg geplant

Im November 2020 ruht der Spielbetrieb in der Deutschen Oper am Rhein, doch hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen für nächsten Monat.

Düsseldorf/Duisburg - Die Deutsche Oper am Rhein stellt ihre Opernproduktionen „Romeo und Julia“ und „Meister Pedros Puppenspiel“ fertig und bringt die Stücke bis zur Generalprobe, damit sie Premiere feiern können, sobald es die Situation erlaubt. Darüber hinaus haben die Proben zu Richard Wagners „Tristan und Isolde“ in einer speziell für die Deutsche Oper am Rhein entwickelten Fassung von Eberhard Kloke begonnen. Stand jetzt kann der Dezember-Spielplan genauso realisiert werden wie geplant. Fünf Premieren stehen auf dem Programm.

"Tristan und Isolde" von Richard Wagner
in einer Bearbeitung von Eberhard Kloke für die Deutsche Oper am Rhein

Tristan und Isolde - unauflöslich sind diese beiden Namen, ihre Herzen, ihre Schicksale miteinander verwoben. Zwei totalitäre Gefühls-Extremisten, die ihre Liebe in einer Radikalität leben, die keinen Raum für andere Menschen lässt und allein in der vollkommenen Selbst­auflösung im Tod ihre Erfüllung finden kann.

An jeweils drei aufeinanderfolgenden Abenden präsentiert die Deutsche Oper am Rhein unter der Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober „Tristan und Isolde“ im Opernhaus Düsseldorf und im Theater Duisburg. Speziell für die beiden Häuser, ihre Orchester und ein Weltklasse-Ensemble um Linda Watson und Alexandra Petersamer (Isolde), Michael Weinius und Daniel Frank (Tristan) sowie Hans-Peter König (König Marke) hat der erfahrene Komponist und Dirigent Eberhard Kloke eine feinsinnige Bearbeitung der Partitur vorgenommen.

In seiner Fassung sind außer dem Hauptorchester im Orchestergraben verschiedene Ensembles im Bühnenraum verteilt. Eine besondere Bedeutung kommt einem Streichensemble mit Englischhorn zu, das sich musikalisch und inhaltlich mit den Protagonisten verbindet. Dies bestimmt auch die Inszenierung von Dorian Dreher: Durch verschiedene Bühnen­ebenen (Bühne und Kostüme: Heike Scheele) ist das Konzept stark räumlich definiert, und das Orchester wird selbst zum Protagonisten. 

"Meister Pedros Puppenspiel" - Familienoper von Manuel de Falla
Premiere am Freitag, 4. Dezember 2020, 18:00 Uhr, im Theater Duisburg

Mit drei Sängerinnen und Sängern, zwei Puppenspielern, einem Orchester und Live-Video präsentiert die Deutsche Oper am Rhein „Meister Pedros Puppenspiel“ als Familienoper. Mit glutvollen spanischen Klängen hat Manuel de Falla ein Motiv aus Cervantes? „Don Quijote“ zum Leben erweckt: Dem berühmten Ritter von der traurigen Gestalt geht während einer Puppenspielaufführung dermaßen die Fantasie durch, dass er mit blanker Waffe die Bühne stürmt...

Die luftschlosshafte Wirklichkeit, die Don Quijote irgendwo zwischen Traum und Realität bewohnt, wird von Filmemacher Torge Möller (fettFilm), Regisseurin Ilaria Lanzino und dem Düsseldorfer Marionettentheater in Szene gesetzt. Mit ihrer phantasievollen Umsetzung und einer Spieldauer von 45 Minuten eignet sie sich auch für junge Besucher ab 6 Jahren. Ralf Lange hat die musikalische Leitung.

"Masel Tov! (Wir gratulieren!)" - Kammeroper von Mieczysław Weinberg
Premiere am Freitag, 11. Dezember 2020, 19:30 Uhr, im Theater Duisburg

In der Küche brodelt das Leben. Das ist bei guten Partys so und auch in Mieczysław Weinbergs Kammeroper „Masel Tov!“. Drei Bedienstete und ein fliegender Buchhändler treffen dort während der Vorbereitungen für die Verlobung der Tochter des Hauses zusammen. Es wird geflirtet und gelästert, und mit zunehmenden Alkohol­konsum lassen die Anwesenden auch ihrem Unmut über das Leben als Bedienstete freien Lauf. Spontan ent­spinnt sich neben zarten Annäherungen eine kleine Revolte, und so kommt es nicht nur zu zwei unerwarteten Verlobungen, sondern auch zu einem Todesfall.

Weinberg, den man vor allem in Verbindung mit seiner Oper „Die Passagierin“ kennt, zeigt sich in "Masel Tov!" von seiner komischen Seite, ohne dabei die Melancholie aus den Augen zu verlieren: Klezmermelodien kombiniert mit Walzer-, Polka- und Galopp­formen aus der jiddischen Musiktradition verleihen der Partitur eine ganz eigene Farbe. Regisseur Philipp Westerbarkei setzt das beziehungsreiche Kammerspiel in Szene, Heike Scheele nimmt uns mit detailreicher Bühne und Kostümen mit in die Küche einer herrschaft­lichen Villa des vergangenen Jahrhunderts. Ralf Lange leitet das Sängerensemble und die Duisburger Philharmoniker.

"Vissi d'arte" - ein szenischer Abend von Johannes Erath
Premiere am Samstag, 12. Dezember 2020, 19:30 Uhr, im Theater Duisburg

Als Stück der Stunde lässt sich „Vissi d’arte“ betrachten, das die Deutsche Oper am Rhein am 12. Dezember ins Theater Duisburg übernimmt: In einem Kaleidoskop anspielungsreicher Opern­szenen macht Johannes Erath (Konzept, Inszenierung und Ausstattung) nach erzwungener Theaterstille die Wiedereroberung des Bühnen­raums selbst zum Thema.

Das Ensemble spielt intensiv bis humorvoll mit dem Abstand, reibt sich an der Erfahrung des Ausgebremstseins, der Sprachlosigkeit und der spürbaren Fragilität der Bühnenkunst und erkundet zu ungewöhnlich arrangierter Musik von Puccini, Verdi, Wagner, Strauss, Offenbach und Gershwin die Leidenschaft, Magie und Sehnsucht, die der Oper inne­wohnen. Unter der musikalischen Leitung von Wolfgang Wiechert formulieren fünf Solistinnen und Solisten, der Opernchor und die Duisburger Philhar­mo­niker eine vielstimmige „Liebeserklärung an die Opernbühne“.

"Romeo und Julia" von Boris Blacher
Premiere am Samstag, 19. Dezember 2020, 19:30 Uhr, im Opernhaus Düsseldorf

Boris Blachers Vertonung von Shakespeares „Romeo und Julia“ ist nicht nur im zu Vergleich Charles Gounods französischer Oper „Roméo et Juliette“ spannend, die sich seit einem Jahr im Repertoire der Deutschen Oper am Rhein befindet. Mitten im Zweiten Weltkrieg - die Opernhäuser lagen in Trümmern - schuf Blacher 1943/44 eine Kammeroper, die in ihrer Ausgespartheit ein kleines Wunder ist. Er konzentrierte und verdichtete den Stoff auf seine Essenz - auf das Schicksal von Romeo und Julia.

Eine tragende Rolle übernehmen dabei der Solistenchor und ein Chansonnier, die das Scheitern dieser großen Liebe immer wieder kommentierend brechen und begleiten. Regisseur Manuel Schmitt, der u.a. bereits bei den Opernfestspielen der Bayerischen Staatsoper, am Staatstheater Nürnberg, am Theater Trier und am Musiktheater im Revier inszenierte, erarbeitet mit „Romeo und Julia“ erstmals eine Produktion für die Deutsche Oper am Rhein.