20.01.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Offenbar immer häufiger Bestnote bei Promotionen

Offenbar immer häufiger Bestnote bei Promotionen

Experten: Noten sagen kaum mehr etwas über Qualität aus

Deutsche Professoren vergeben bei Promotionen laut einem Zeitungsbericht immer häufiger die Bestnote "summa cum laude". 

Berlin - Die Auswertung einer Datenbank des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) zeigt laut "Süddeutscher Zeitung", dass der Anteil der Bestnote innerhalb von gut zehn Jahren in fast allen Fächern gestiegen ist. Hätten in Anglistik und Amerikanistik früher nur 21 Prozent der Promovierenden die Bestnote bekommen, seien es zuletzt 27 Prozent gewesen. In Architektur stieg der Anteil laut "SZ" von elf auf 19 und in Verwaltungswissenschaften sogar von 22 auf 48 Prozent.

Bei Elektrotechnik stieg der Anteil der "summa cum laude"-Arbeiten dem Bericht zufolge von 22 auf 26 Prozent, in Kunstwissenschaften von 14 auf 25 und in Psychologie von 17 auf 24 Prozent. Die jüngst aktualisierte Datenbank greift laut "SZ" auf amtliche Statistiken zurück und reicht jetzt bis Ende des Jahres 2013. Der Vergleichszeitraum der Analyse seien die Jahre 2002 bis 2004.

Noten verlören immer mehr an Wert, sagten Experten des IFQ dem Bericht zufolge. Dies gelte nicht nur für Promotionen. Schulen und Hochschulen insgesamt verschenkten "ihre Definitionsmacht über Qualität". Es gebe aufgeweichte Bewertungsstandards und "eine schleichende Noten-Inflation".

Eine Ausnahme stellen dem Bericht zufolge die Fächer Jura und Medizin dar. Dies decke sich nun mit den Promotionsnoten. In Humanmedizin lag der Anteil von summa cum laude der Datenbank zufolge zuletzt bei nur sieben Prozent.

Auch regional gibt es laut "SZ" enorme Unterschiede bei den Promotionsnoten. In Braunschweig hatten 15 Prozent der Chemiker die lateinische Lobesformel erhalten, in Chemnitz 32, in Frankfurt am Main 54. Bei den Philosophen freuten sich in Tübingen nicht mal 20 Prozent darüber, in Siegen jeder zweite, in Köln 69 Prozent. Von einem einheitlichen Maßstab bei der Bewertung könne keine Rede sein, kritisierte das IFQ. An den Noten lasse sich die Qualität der Arbeiten kaum noch ablesen.

Es gebe verschiedene Benotungskulturen, sagte der Vize-Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Holger Burckhart, der "SZ". Eine Bewertung erfolge eben nicht durch Maschinen, sondern oft in individuellen Verhältnissen ? eine Spreizung der Noten lasse sich kaum verhindern. Die generelle Großzügigkeit bei den Bestnoten sei dagegen zu erklären: "Professoren müssen sich heute für alles, was nicht summa ist, gleich rechtfertigen. Da gibt es Tendenzen, Konflikte zu vermeiden", sagte Burckhart. Zudem gebe es oft ein Wohlwollen an den Fakultäten, um den Karrieren der Nachwuchswissenschaftler nicht im Wege zu stehen.

Der HRK-Funktionär, der Rektor der Universität Siegen ist, forderte seine Kollegen auf, Spitzennoten wirklich für Spitzenleistungen zu vergeben: "Wir müssen das gesamte Spektrum ausschöpfen und wertschätzen."Allerdings könnten laut Burckhart Arbeiten tatsächlich auch besser geworden sein. Es seien viele professionelle Doktoranden-Kollegs entstanden und nach prominenten Plagiatsaffären wie im Fall des CSU-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg betreuten manche Professoren ihre Kandidaten intensiver und gäben öfter Rückmeldungen.

(xity, AFP)


Copyright 2018 © Xity Online GmbH