Özoguz: Bei Integration nicht auf Herkunft schauen

Integrationsbeauftragte startet Themenjahr "Partizipation"

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hat gefordert, Migranten bei der Integration in Deutschland "nicht nach Herkunft" zu sortieren.

Berlin - Zum Auftakt des Themenjahres "Partizipation" sagte Özoguz am Dienstag im Bundeskanzleramt, Deutschland müsse vielmehr "den Blick frei machen für das, was notwendig ist". Die SPD-Politikerin verwies auf die gelungene Integration der Aussiedler in Deutschland. Damals sei nicht "nach ethnischer Herkunft", sondern "barrierefrei geschaut worden, was brauchen die".

"Eine gelingende Integration kann es nur durch echte Partizipation geben", erklärte Özoguz. Obwohl 20 Prozent der deutschen Bevölkerung eine Einwanderungsgeschichte hätten, seien Menschen mit Migrationshintergrund in vielen gesellschaftlichen Bereichen unterrepräsentiert. Das Schwerpunktjahr 2016 "Teil haben, Teil sein: Partizipation in der Einwanderungsgesellschaft zum Thema" solle daher im Bündnis mit verschiedenen Projektpartnern die Partizipation ins Bewusstsein rufen und fördern. Die Partner kommen aus zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen.

Integrationshindernisse gibt es laut Özoguz nach wie vor bei der politischen Partizipation, im Bildungswesen oder auf dem Arbeitsmarkt. Als Beispiele nannte sie unter anderem, dass nur 37 von 631 Abgeordneten im Bundestag einen Migrationshintergrund haben (knapp sechs Prozent).

Bildungserfolg sei in Deutschland weiter stark von der sozialen Herkunft abhängig. Kinder von Akademikern gingen häufiger auf Gymnasien und absolvierten öfter ein Studium. Eine wichtige Rolle spiele aber auch das Wissen über das deutsche Schulsystem, das viele Eingewanderte nicht haben. Durch die Themenjahr-Partner im Bildungswesen solle die Wissenslücken geschlossen und der Zugang zu Bildung verbessert werden. Zugleich kritisierte Özoguz, dass ausländische Namen noch immer über den Erfolg von Bewerbungen als Start ins Berufsleben entschieden.

Die Arbeitsmarktbeteiligung solle weiter erhöht und Verwaltungen interkulturell geöffnet werden. Özoguz verwies darauf, dass Schätzungen zufolge etwa 2,7 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland durch selbstständige Migranten geschaffen wurden (rund fünf Prozent der Erwerbstätigen).

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise will Özoguz zudem die "Migrantenselbstorganisation" stärken. Diese spiele angesichts des Flüchtlingszuzugs eine "noch wichtigere Rolle in unserer Gesellschaft", da Migranten wichtige Mittler seien. Migrantenorganisationen sollen daher stärker in die bestehenden Strukturen von Wohlfahrtsverbänden eingebunden werden. In diesem Zusammenhang kündigte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration auch an, zur Unterstützung von Ehrenamtlichen, die Flüchtlingen das Ankommen in Deutschland erleichtern, noch einmal mindestens 3,5 Millionen Euro bereitzustellen.

(xity, AFP)