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OB Reker stellt neuen Schauspiel-Intendanten vor

Theater noch weiter öffnen, es gehört den Bürgern

Dr. Carl Philip von Maldeghem wird Intendant des Schauspiels Köln.

Köln - Das haben am heutigen Donnerstag, 24. Januar 2019, Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Susanne Laugwitz-Aulbach, Beigeordnete für Kunst und Kultur, bei einer Pressekonferenz im Rathaus bekanntgegeben. Carl Philip von Maldeghem ist derzeit Intendant des Salzburger Landestheaters. Er wird im Sommer 2021 nach Köln wechseln.

„Mit Carl Philip von Maldeghem konnten wir einen über zwei Jahrzehnte hinweg absolut erfahrenen Intendanten gewinnen. Er ist ein innovativer Regisseur mit großen internationalen Kontakten“, freut sich Oberbürgermeisterin Henriette Reker und betont: „Maldeghem hat sich mit einem Konzept und Ideen für die Stadt empfohlen, mit denen er das Schauspiel Köln den Bürgerinnen und Bürgern noch weiter öffnen will, da das Theater den Menschen gehört.“

Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach unterstreicht: „Carl Philip von Maldeghem hat uns mit seinen Vorstellungen eines modernen, lebendigen und nicht hierarchiebetonten Theaters sofort überzeugt. Er wird am Kölner Schauspiel weitere kreative Allianzen im nationalen und internationalen Kontext schließen und existenzielle Grundkonflikte unserer Gesellschaft durch jeweilige Regie- und Schauspielteams mit unterschiedlichsten Handschriften, Traditionen und Zukunftsvisionen bieten, die Identifikation und Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellen werden.“

Die Suche nach einem neuen Intendanten für das Schauspiel Köln unterstützte maßgeblich Rolf Bolwin, langjähriger geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins. Er zeigt sich überzeugt: „Mit Carl Philipp von Maldeghem gewinnt die Stadt Köln einen erfahrenen Intendanten, der für ein Theater steht, das sich in die Stadt öffnet, den Diskurs mit den Bürgen sucht. Gerade mit dem anstehenden Wiedereinzug in das renovierte Gebäude der Bühnen der Stadt Köln wird es darum gehen, das Theater neu im Zentrum der Stadt zu verorten. Diesen Neuanfang im Schauspiel mit frischen künstlerischen Impulsen zu initiieren und für sie die Zuschauer zu gewinnen, wird Aufgabe des neuen Intendanten sein. Dafür wünsche ich Carl Philip von Maldeghem viel Glück und Erfolg.“

Kölns neuer Schauspiel-Intendant freut sich auf seine neue Wirkungsstätte: „Das Schauspiel Köln gehört zu den profiliertesten Sprechtheatern der Republik und ich freue mich auf die Chance, dieses Theater in den nächsten Jahren, in denen die Neueröffnung des renovierten Bühnen-Ensembles bevorsteht, führen zu können. Das Theater kann und soll als kultureller Leuchtturm über Köln und darüber hinaus strahlen. Ich glaube an ein Theater, das Haltung zeigt, und ein Programm, das imaginativ die Möglichkeiten der menschlichen Identität durchspielt, generationenübergreifend wirkt und die ganze Diversität unserer Gesellschaft und das multikulturelle Panorama Kölns abbildet.“

Biografie Dr. Carl Philip von Maldeghem
Carl Philip von Maldeghem wurde 1969 in Prien am Chiemsee geboren. An das Studium der Rechtswissenschaft und Philosophie und die Promotion in Rechtsphilosophie schloss sich ein Schauspiel- und Regiestudium in New York an.

Nach seinen Studien arbeitete er für das American Repertory Theatre in Cambridge, Centre for Advanced Theatre Studies at Harvard University und eine Theaterproduktion Off-Broadway als Regieassistent. In Europa war er drei Jahre als Pressesprecher und persönlicher Referent des Intendanten Gerard Mortier bei den Salzburger Festspielen tätig.

Von 1997 bis 2002 arbeitete er regelmäßig mit Peter Stein als Co-Regisseur, Produktionsleiter und Regieassistent bei den Osterfestspielen in Salzburg, dem Maggio Musicale in Florenz und an der Wiener Staatsoper zusammen.

Ab 1998 war er als persönlicher Referent des Intendanten Pavel Fieber und als Hausregisseur am Badischen Staatstheater tätig und inszenierte sowohl im Schauspiel als auch im Musical und der Oper.

Eine Auswahl seiner Inszenierungen: „Meisterklasse“ von Terrence McNally, Ken Ludwigs „Otello darf nicht platzen, „Trainspotting“ von Irvine Welsh, „Orests Heimkehr“ von Aischylos/Stein, Paul Bartels Musical „Eating Raoul“, „L’inganno felice“ von Gioacchino Rossini. Seit 1995 nahm er auch diverse Lehraufträge für Schauspiel an der Universität Konstanz sowie in Belgien und Griechenland wahr.

Im Jahr 2001 hatte er die Gelegenheit, „Simone Boccanegra“ unter der musikalischen Leitung von Claudio Abbado in Ferrara zu inszenieren. Die Produktion wurde in Italien ausgezeichnet und beim Verdi Festival in Parma sowie in Bozen gezeigt. Eine Neuaufnahme erfolgte 2003 am Teatro San Carlo in Neapel. Die Zusammenarbeit mit Claudio Abbado setzte sich 2006 mit einer Produktion von Schumanns “Manfred” mit Bruno Ganz und den Berliner Philharmonikern fort.

Im Herbst 2002 übernahm Carl Philip von Maldeghem die Intendanz der Schauspielbühnen in Stuttgart als damals jüngster Intendant eines großen Sprechtheaters im deutschsprachigen Raum. Die neue Intendanz erfuhr mit „Comedian Harmonists“ und seiner eigenen Inszenierung von Shakespeares „Romeo und Julia“ ihren Auftakt; insgesamt wurden über 140 Neuinszenierungen unter seiner künstlerischen Leitung produziert.

Eigene Inszenierungen folgten u.a. mit einer Theaterfassung von Homers „Odyssee“, Jean Paul Sartres „Huis Clos“, Shakespeares „Hamlet“, „Sommernachtstraum“, einer Theaterfassung von Thomas Manns „Buddenbrooks“ und der Uraufführung von John von Düffels „Sieben Sonette“.

Schon in der ersten Spielzeit gelang es Carl Philip von Maldeghem, die Abonnenten- und Besucherzahlen nachhaltig zu steigern und regelmäßig Zuschauerrekorde zu erzielen. Er führte die Schauspielbühnen in Stuttgart mehrfach unter die „Top Drei“ der deutschen Sprechbühnen in der Gesamtbesucherzahl (zum Beispiel 2006/2007: 237.000 Zuschauer). Er erschloss zahlreiche weitere Spielstätten (Theater unterm Dach, Theater über den Wolken auf dem Stuttgarter Fernsehturm, Schlosshof, Nachtprogramm) und gründete das International Theater Stuttgart als neue Programmschiene. Außerdem initiierte er das Seminar- und Trainingsprogramm „management-by-shakespeare“.

Im Herbst 2007 wurde Carl Philip von Maldeghem zum designierten Intendanten des Salzburger Landestheaters gewählt und wechselte im Sommer 2009 in die neue Position. Zu seinem Team gehören Leo Hussain und seit 2014 Mirga Grazinyte-Tyla als Musikdirektoren, Bernd Feuchtner und seit 2011 Andreas Gergen als Operndirektor, Peter Breuer und sewit 2017 Reginaldo Oliveira als Ballettchef, Marco Dott, Astrid Großgasteiger und seit 2016 Angela Beyerlein als künstlerische Leiter der neugegründeten Sparte „Junges Land“. In allen Sparten lässt sich schon in der Antrittsspielzeit ein künstlerischer Aufschwung feststellen.

Die Sparte Oper profiliert sich durch das zentrale Opernrepertoire, aber auch durch Entdeckungen unbekannter Barockopern („Arianna“, „Farnace“), Werken des 20. Jahrhunderts („Jonny spielt auf“, „Wozzeck“) und zeitgenössischen Opern (Mahmoud, Saariaho).

In der Sparte Schauspiel, der der Intendant als Schauspieldirektor vorsteht, erfolgt der Durchbruch mit der Antrittsinszenierung von Goethes „Faust I“. Einen überraschenden künstlerischen Erfolg bringt auch die deutschsprachige Erstaufführung des Handke/Wenders Drehbuches „Himmel über Berlin“ in einer eigenen Fassung für Salzburg. Im Jahr 2013 vollendete er Max Reinhardts Traum, „Faust II“ in der Felsenreitschule in Salzburg zu spielen. Im Jahr 2017 vereinte das Spektakel „Dionysien“ alle Ensembles aus Oper, Schauspiel und Ballett im Festspielhaus zu einem fünfstündigen Fest des Theaters.

Weitere Inszenierungen: John von Düffels „König Shakespeare“ als Uraufführung, Ödön von Horvaths „Jugend ohne Gott“ in eigener Dramatisierung, Shakespeares „Sommernachtstraum" und „Romeo und Julia“ in eigener Neuübersetzung, Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen" in einer Fassung für Marionetten und Menschen, „Faust II“ in der Felsenreitschule, „Verliebte und Verrückte“ im Park von Schloss Leopoldskron, „Nach Europa/Über das Meer“ in den Kammerspielen, „Cabaret“ am Tiroler Landestheater in Innsbruck, „La Cenerentola“ und „Die Zauberflöte“ sowie Albert Camus „Die Pest“, Anthony McCartens „Funny Girl“, Frank Kafkas „Bericht für eine Akademie“ und Homers „Ilias“ am Salzburger Landestheater.

Schon im ersten Jahr der Intendanz Carl Philip von Maldeghems konnte ein Besucherplus von 29 Prozent gemeldet werden, nach fünf Spielzeiten lässt sich ein Zuschauerplus von 65 Prozent verzeichnen. Die Anzahl der Aufführungen konnte wesentlich gesteigert werden, die Auslastung des Theaters stieg zudem auf insgesamt 85 Prozent. Gastspiele führten das Salzburger Landestheater unter anderen nach Istanbul und mehrfach nach New York.


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