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NSU: Hinweise auf Verstrickung des Verfassungsschutzes

V-Mann ähnelt möglichem NSU-Helfer von Kölner Anschlag

Der "Welt" zufolge ähnelt ein möglicher NSU-Helfer beim Nagelbombenanschlag 2001 in Köln einem V-Mann des Verfassungsschutzes.

Berlin - In der Aufarbeitung der Mord- und Anschlagserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) gibt es neue Hinweise auf mögliche Verstrickungen eines Verfassungsschutz-Informanten. Eine frühere Leiterin des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes soll einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge 2012 in einer als "geheime Verschlusssache" eingestuften Erklärung einen V-Mann enttarnt haben: Er habe "Ähnlichkeit" mit dem Phantombild eines Mannes, der an einem der NSU zugerechneten Bombenanschlag auf einen Lebensmittelladen in Köln beteiligt war. Bei dem V-Mann handelte es sich um einen Kölner Neonazi.

Die streng vertraulichen Dokumente lagen der "Welt am Sonntag" nach eigenen Angaben vor. Bereits bei einem NSU-Mord an einem Internetbetreiber in Kassel hatte sich ein Verfassungsschutz-Mitarbeiter am Tatort aufgehalten.

Die NSU-Terrorgruppe um die 2011 verstorbenen mutmaßlichen Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sowie die vor Gericht stehende mutmaßliche Komplizin Beate Zschäpe hatte sich in einer DVD zu zehn Morden und zwei Bombenanschlägen bekannt. Einer der Anschläge war 2001 auf einen Lebensmittelladen in der Kölner Probsteigasse verübt worden. Bei der Explosion des in einer Christstollendose versteckten Sprengkörpers war eine 19-Jährige schwer verletzt worden. Die Tochter des Ladenbesitzers hatte die Dose mit dem darin versteckten Sprengsatz geöffnet, die von einem Mann in einem Geschenkkorb dort zurückgelassen worden war. Der Vater und die Schwester des Opfers hatten den Mann gesehen. Nach ihren Angaben fertigte die Polizei ein Phantombild. Die Suche nach dem Täter verlief damals jedoch ohne Erfolg.

Als das Bundeskriminalamt 2011 die Ermittlungen zu allen Taten, die auf der Bekenner-DVD aufgeführt waren, wieder aufnahm, schrieb die damalige Präsidentin der Behörde, Mathilde Koller, dem Bericht zufolge "vertraulich" an die Bundesanwaltschaft: Das Phantombild weise Ähnlichkeiten mit einem Neonazi aus Köln auf. Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung des Mannes bestünden aber nicht, erklärte sie zunächst.

Koller habe dann eine Woche später noch einen weiteren Vermerk geschrieben, den sie in die höchste Sicherheitskategorie einstufte. Darin erklärte sie, der Mann sei "seit 1989 als Geheimer Mitarbeiter für den Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen tätig". Sie verschwieg der Zeitung zufolge dabei, dass der Mann 1985 wegen eines Sprengstoffdelikts verurteilt worden war. Das ermittelte erst das Bundeskriminalamt. Der Mann war vom Verfassungsschutz gezielt auf einen Neonazi angesetzt worden, der den geheimen Dokumenten zufolge Kontakte zum Umfeld des NSU hatte.

Vier Monate nachdem die Verfassungsschutz-Präsidentin ihre Vermerke an die Bundesanwaltschaft verschickt hatte, trat sie aus "persönlichen Gründen" von ihrem Posten zurück.

(xity, AFP)


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