18.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> NSA spähte neben Merkel weitere Deutsche gezielt aus

NSA spähte neben Merkel weitere Deutsche gezielt aus

Student wegen Interesse an Verschlüsselung im Visier

Der US-Geheimdienst NSA späht offenbar gezielt Deutsche aus, die sich mit Verschlüsselung und Anonymisierung im Internet beschäftigen.

Berlin - Wie der NDR und der WDR berichteten, geriet der Erlanger Student Sebastian Hahn ins Visier der NSA, weil er einen Server für das Anonymisierungsnetzwerk Tor betreibt. Durch dieses Netzwerk versuchen Nutzer, ihre Spuren im Internet zu verwischen. Insbesondere Menschenrechtler in Ländern wie dem Iran sind auf dieses Programm angewiesen.

Hahn ist den Berichten zufolge nach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das zweite namentlich bekannte Ausspähziel der NSA. NDR und WDR konnten nach eigenen Angaben anhand eines ihnen vorliegenden geheimen Quellcodes des NSA-Spähprogramms XKeyscore Opfer von Überwachung namentlich identifizieren. Als Quellcode wird die in einer Programmiersprache verfasste Basis einer Software bezeichnet.

Die IP-Adresse eines von Hahn betriebenen Servers ist den Berichten zufolge in dem NDR und WDR vorliegenden Quellcode von XKeyscore als zu überwachendes Objekt genau definiert. Die NSA habe auf diese Weise herausfiltern wollen, wer das von Hahn bereitgestellte Anonymisierungsnetzwerk benutzt habe. Dies seien täglich Hunderttausende gewesen. Ihre Daten landeten den Recherchen von NDR und WDR zufolge in einer speziellen NSA-Datenbank.

Sebastian Hahn nannte die Ausspähung "schockierend". Weil er etwas Gutes tun wolle, gerate er "in den Fokus der Geheimdienste. Das ist ein Rieseneingriff in meine Privatsphäre", sagte er den Sendern. Neben Hahns IP-Adresse fand sich in dem Quellcode auch die IP-Adresse des Chaos Computer Clubs. Ob die Ausspähungen von deutschem Boden aus erfolgten, kann den Berichten zufolge aus dem Quellcode nicht herausgelesen werden.

Der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz nannte die neuen Vorwürfe gegen die NSA dramatisch: Die Bundesregierung habe bislang mit Blick auf die Spähaffäre immer dazu aufgefordert, sich selbst durch Verschlüsselung zu schützen. "Jetzt stellt man fest, dass genau die Leute, die sich im Internet schützen wollen, von staatlicher Seite markiert und dann überwacht werden: Das ist völlig absurd", sagte der Obmann der Grünen im NSA-Untersuchungsausschuss dem Sender Bayern 2. Der Ausschuss sollte am Donnerstag zu ersten Zeugenbefragungen in Berlin zusammenkommen, vorgeladen waren zwei ehemalige Mitarbeiter der NSA.

(xity, AFP)


Copyright 2018 © Xity Online GmbH