14.11.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> NRW beendet Kooperation mit Betreiber von Asylheim

NRW beendet Kooperation mit Betreiber von Asylheim

Ermittlungen gegen EHC-Geschäftsführer und Heimleiter

Im Skandal um mutmaßliche Misshandlungen von Flüchtlingen hat das Land Nordrhein-Westfalen den privaten Betreiber der Flüchtlingsunterkunft in Burbach mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden.

Düsseldorf - Damit ziehe NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) Konsequenzen aus dem Bekanntwerden neuer Vorwürfen gegen Mitarbeiter des bisherigen Betreibers European Homecare (EHC), teilte sein Ressort mit. "Angesichts der massiven Verdachtsmomente gegen den Leiter der Einrichtung und weitere Mitarbeiter ist das Vertrauen für eine zuverlässige Zusammenarbeit mit diesem Dienstleister in Burbach nicht mehr gegeben", erklärte Jäger.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Siegen mitgeteilt, dass sie neben weiteren Verdächtigen bereits seit dem vergangenen Donnerstag auch gegen den EHC-Geschäftsführer und den Leiter der Unterkunft in Burbach als Beschuldigte ermittelt. Geprüft werde der Vorwurf, die Männer hätten von der Existenz sogenannter "Problemzimmer" in Burbach und deren "strafrechtlich relevanter Nutzung" gewusst. Früheren Medienberichten zufolge sollen Flüchtlinge in solchen Zimmern eingesperrt worden sein. Die Staatsanwaltschaft geht in diesem Zusammenhang dem Verdacht der Freiheitsberaubung, Nötigung und von Körperverletzungsdelikten nach.

Ab sofort übernimmt Jäger zufolge das Deutsche Rote Kreuz den Betrieb der Einrichtung in Burbach. Der Minister betonte, er werde die lückenlose Aufklärung der Geschehnisse in allen Flüchtlingseinrichtungen des Landes weiter vorantreiben. "Nichts wird unter den Teppich gekehrt - das habe ich angekündigt, dazu stehe ich."

Das Unternehmen EHC, das in NRW fünf weitere Landesunterkünfte und nach eigenen Angaben bundesweit 40 Flüchtlingseinrichtungen betreut, wird sich laut Jäger zudem einer umfassenden Überprüfung stellen müssen. "Ich bin mir sicher, dass auch meine Kollegen aus den Bundesländern mit EHC-Standorten mehr als nur kritische Fragen an EHC stellen werden", erklärte Jäger. "Wir brauchen jetzt Gewissheit, dass derartige Vorwürfe nicht auch andere Landeseinrichtungen betreffen."

Die Siegener Staatsanwaltschaft hatte am Montag die Büroräume des EHC-Geschäftsführers, die von dem Heimleiter in Burbach genutzten Räume sowie die Wohnungen beider Beschuldigten durchsucht. Dabei nahmen die Ermittler der Behörde zufolge umfangreiche Unterlagen mit, deren Auswertung noch geraume Zeit dauern wird.

Am Wochenende hatte das WDR-Magazin "Westpol" berichtet, dass EHC von der Gewalt gegen Flüchtlinge in den Einrichtungen gewusst haben soll. Gewalttätige Übergriffe gegen Flüchtlinge, die sich nicht an die Anweisungen des Personals hielten, seien mit Wissen und teilweise auf Veranlassung von EHC erfolgt, zitiert das Magazin Mitarbeiter verschiedener Sicherheitsfirmen. "Wir haben auch schon mal zugeschlagen", sagte demnach ein Wachmann dem Magazin. "Das aber nur, um uns zu wehren. Mit dem Wissen von European Homecare."

Ende September war bekannt geworden, dass in der Notunterkunft in Burbach Asylbewerber von Mitarbeitern misshandelt worden sein sollen. Unter anderem gelangte ein Handy-Foto an die Öffentlichkeit, auf dem zwei Sicherheitsleute sowie ein gefesselt am Boden liegender Mann zu sehen sind. Auf dem Bild drückt ein Wachmann das Opfer mit seinem Stiefel nach unten.

(xity, AFP)


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