NRW-Ministerpräsident Wüst für Frau im Schloss Bellevue

SPD kritisiert Ablehnung von Steinmeier - Unterstützung aus CDU

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat sich für eine Frau als nächste Bundespräsidentin ausgesprochen.

Düsseldorf -  "Die Zeit ist aus meiner Sicht reif für eine Frau im Schloss Bellevue", sagte er der "Welt am Sonntag". Während Wüst schnell viel Unterstützung aus der CDU bekam, kritisierte die SPD den Vorstoß: "Wenn die CDU über Frauen nachdenkt, sollte sie in der eigenen Partei anfangen", sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil der Zeitung.

Wüst sagte, die Union habe die meisten Wahlleute in der Bundesversammlung und solle daher auch "den Anspruch auf einen eigenen Vorschlag haben". "Nachdem die Union die erste Bundeskanzlerin, die erste Bundesverteidigungsministerin und die erste EU-Kommissionspräsidentin gestellt hat, wäre es nur folgerichtig, wenn sie auch die erste Bundespräsidentin vorschlägt."

"Eine Bundespräsidentin könnte gerade in diesen Zeiten, in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt zur vordersten Staatsräson wird, wichtige neue Impulse geben", fuhr Wüst mit seinem Vorstoß fort. Einen konkreten Namen nannte er aber nicht - er könne "auch nur einen Gedankenprozess in der Union anregen".

Eine Wiederwahl von Steinmeier lehnt der NRW-Ministerpräsident damit ab. Daran kam Kritik aus Steinmeiers Partei. "Es besteht keinerlei Anlass, Frank-Walter Steinmeier infrage zu stellen", sagte der designierte Parteichef Klingbeil der "Welt am Sonntag".

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, sagte der Zeitung, Steinmeier mache seine Arbeit "exzellent und überparteilich, und er steht zur Wiederwahl". Auch die amtierende Bundesumweltministerin Svenja Schulze stärkte Steinmeier den Rücken. "Wir haben einen hervorragenden Präsidenten, den wir gerne behalten wollen."

Hingegen sagte der zum Bewerbertrio um den CDU-Vorsitz zählende Bundestagsabgeordnete Friedrich Merz der "Welt" zur Frage einer eigenen Unions-Kandidatin, "aus meiner Sicht ist es selbstverständlich, dass wir das tun". Auch die Vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz, sagte, "es ist Zeit für eine Frau als Bundespräsidentin. Es ist absolut selbstverständlich und notwendig, dass die höchsten Staatsämter nicht in der Hand nur eines Geschlechts liegen."

Steinmeier ist seit 2017 Bundespräsident. Die nächste Wahl für das Amt findet im Februar kommenden Jahres statt.

(xity, AFP)