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Nicht jede neue Arznei bringt Therapie-Fortschritt

TK stellt Innovationsreport 2014 vor

Neu eingeführte Medikamente bedeuten laut dem TK-Innovationsreport 2014 trotz verschärfter Transparenzregeln längst nicht immer einen medizinischen Fortschritt für die Patienten.

Berlin - Zu diesem Ergebnis kommt der von dem Bremer Gesundheitsexperten Gerd Glaeske erstellte Innovationsreport 2014, den die Techniker Krankenkasse (TK) in Berlin vorstellte. Nur drei von 20 untersuchten Wirkstoffen, die 2011 in Deutschland neu auf den Markt kamen, waren demnach "in der Gesamtschau" als therapeutischer Fortschritt einzustufen.

Seit 2010 müssen Pharmafirmen aufzeigen, ob ihre neuen Präparate einen Zusatznutzen besitzen. Diese Pflicht zur frühzeitigen Nutzenbewertung von Arzneimitteln ist im Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) verankert. Die in dem aktuellen TK-Report untersuchten Medikamente kamen alle im Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes auf den Markt.

Trotz der Neuregelung lägen zum Zeitpunkt der Markteinführung oftmals noch keine ausreichenden Erkenntnisse darüber vor, welchen therapeutischen Fortschritt ein neues Arzneimittel wirklich darstelle, kritisierte die TK. Für acht der 20 untersuchten Wirkstoffe hätten die Hersteller im Nachhinein Warnhinweisschreiben verschickt.

Trotz mehr Transparenz durch die neue Nutzenbewertung reiche daher eine einmalige Bewertung neuer Arzneimittel "im Grunde nicht aus", erklärte der TK-Vorstandschef Jens Baas. "Was wir brauchen, sind weitere Spätbewertungen mit Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag - in der Medizin würde man sagen: Nachuntersuchungen - , um den tatsächlichen Nutzen neuer Medikamente besser einschätzen zu können."

"Als Problem muss gewertet werden, dass mehr und mehr unerwünschte Ereignisse erst nach der Frühbewertung und dem Vermarktungsbeginn für neue Arzneimittel auftreten", kritisierte Glaeske. Auch der Bremer Gesundheitswissenschaftler plädierte dafür, bei vielen neu eingeführten Mittel nach einiger Zeit eine Spätbewertung vorzunehmen, "um Nutzen und Schaden besser bewerten zu können".

TK-Chef Baas verwies zudem darauf, dass laut Auswertungen der Kasse die Ergebnisse der AMNOG-Bewertungen "noch nicht eins zu eins in der Versorgung" ankämen. So werde beispielsweise der Wirkstoff Ticagrelor noch immer bei jedem dritten Patienten falsch eingesetzt. "Das heißt, das Medikament wird verordnet, obwohl für die zu behandelnde Krankheit kein Zusatznutzen nachgewiesen werden konnte."

(xity, AFP)


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