Neues Buch der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Geschichte des Gefängnisses Ulmer Höh'

"Ulmer Höh'. Das Gefängnis Düsseldorf-Derendorf im Nationalsozialismus" - so lautet der Titel des Werkes, das die Mahn- und Gedenkstätte und ihr Förderkreis am Montag, 21. Juni 2021, präsentierten.

Düsseldorf - Das von Institutsleiter Dr. Bastian Fleermann verfasste Werk erscheint nun im Droste-Verlag. Das 488 Seiten starke Buch erzählt die Geschichte des Gefängnisses und der Männer und Frauen, die dort in den Jahren 1933 bis 1945 aus politischen oder "rassischen" Gründen inhaftiert waren.

Zum historischen Hintergrund
Tausende Menschen waren zwischen 1933 und 1945 im Gefängnis Düsseldorf-Derendorf inhaftiert - ein Großteil von ihnen waren politische Gefangene, Regimegegner oder aus rassistischen Gründen Verfolgte. Die "Ulmer Höh'", wie das Gefängnis im Volksmund genannt wurde, war für viele Häftlinge nur eine Zwischenstation auf dem Weg in die Konzentrationslager. Hinzu kamen die regulären Straftäter. Die Quellen deuten jedoch darauf hin, dass während der NS-Herrschaft die Grenzen dieser Häftlingskategorien zunehmend unschärfer wurden: Einfache Diebe galten nun in politisierter Form als "Volksschädlinge" oder "Reichsfeinde".

Zu den bekanntesten Häftlingen gehörten unter anderem Oberbürgermeister Dr. Robert Lehr, der spätere Stadtdirektor Dr. Walther Hensel, der Schauspieler und Regisseur Wolfgang Langhoff, der Schriftsteller Bernt Engelmann, der Kunstmaler Peter Ludwigs, der kommunistische Widerstandskämpfer Wilhelm Knöchel oder der Generalpräses der katholischen Jugendbewegung Ludwig Wolker.

Nach 1939 internationalisierte sich die Gefangenengesellschaft massiv durch die Inhaftierung von ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die ab 1943 die Mehrheit der Gefangenen ausmachten. Am 2./3. März 1945 wurde die Anstalt "geräumt", die geschwächten und kranken Häftlinge wurden in andere Haftstätten "verlegt". Das Haus war vor allem wegen seines "Bezirkskrankenhauses", in dem kranke Gefangene aus allen Gefängnissen der Region behandelt wurden, exponiert, da hier massenhaft Medizinverbrechen verübt wurden (Kastrationen und Sterilisationen). Insbesondere die Gestapo-Beamten, die das Haus für sich reklamierten misshandelten viele Gefangene schwer. Vielfach kam es zu tatsächlichen oder vermeintlichen Suiziden. Die Studie gleicht die amtliche und bürokratische Überlieferung mit den persönlichen Erinnerungen von Überlebenden, mit persönlichen Nachrichten, Tagebucheinträgen und Briefen ab. Insgesamt entsteht so ein vergleichsweise dichtes Bild einer deutschen Strafanstalt während der NS-Diktatur.

Das 1893 erbaute Gefängnis wurde bis Februar 2012 als JVA genutzt und in den Folgejahren fast vollständig abgerissen. Am Platz entsteht ein neues Stadtquartier.