Neubau der Düsseldorfer Oper vorgeschlagen

Beschlussvorlage geht nun in die Gremien

Die Verwaltung der Stadt Düsseldorf bringt eine Vorlage für einen Grundsatzbeschluss zum "Opernhaus der Zukunft" in die politischen Gremien ein.

Düsseldorf - In dieser empfiehlt die Verwaltung einen Neubau des Opernhauses und spricht sich somit gegen eine Sanierung des bisherigen Gebäudes aus. Die Vorlage wird erstmals am 30. November im Bauausschuss von der Politik beraten, bevor sie am 2. Dezember auf der Tagesordnung des Kulturausschusses steht. Final wird der Stadtrat in seiner Sitzung am 16. Dezember 2021 über den Grundsatzbeschluss beschließen.

Nicht nur die Verwaltung empfiehlt einen Neubau. Auch die Mehrheit der Teilnehmenden der Bürgerbeteiligung sprach sich für ein neues Opernhaus aus. Nach den Ergebnissen der Prüfungen der Verwaltung und der Bürgerbeteiligung sprechen unter anderem folgende Punkte für einen Neubau des Opernhauses:

- Ein Neubau kann den Anforderungen eines modernen Opernhauses gerecht werden sowie die Bedarfe und die Visionen eines "Opernhauses der Zukunft" erfüllen.
- Mit einem Neubau kann ein funktional und technisch zukunftsfähiger Bühnenbetrieb umgesetzt werden.
- Durch ein neues, optimiertes Gebäude können die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gesteigert werden.
- Ein neues Opernhaus würde nicht nur inhaltlich neue Konzepte und somit eine Öffnung des Hauses ermöglich. - Auch architektonisch könnte sich die Oper der Stadt weiter öffnen und sich dadurch über den regulären Spielbetrieb hinaus in das Stadtbild und Stadtleben integrieren.
- Mit einem Neubau lässt sich eine "Oper für alle" verwirklichen.
- Ein Neubau bietet einen Mehrwert für die Stadtgesellschaft.

Eine Sanierung des heutigen Opernhauses ist nach Einschätzung der Verwaltung, der Deutschen Oper am Rhein und als Ergebnis der Öffentlichkeitsbeteiligung nicht bzw. nur bedingt empfehlenswert. Das Opernhaus an der Heinrich-Heine-Allee weist gravierende räumliche und funktionale Defizite, eine Vielzahl baulicher, technischer und funktionaler Mängel und somit einen hohen Sanierungs- und Erneuerungsbedarf verbunden mit einem entsprechendem Finanzierungsbedarf sowie Kostenrisiken auf.

Die räumlichen Gegebenheiten des ursprünglich 1875 als Stadttheater errichteten Gebäudes sind zudem nicht für einen Opernspielbetrieb ausgerichtet. Insbesondere fehlen der Oper eine zweite Seitenbühne, Proberäume und logistisch zwingend erforderliche Flächen, wie z.B. Lagerflächen. In einigen Bereichen sind Flächenerweiterungen erforderlich, um die Vorgaben der Arbeitsstättenrichtlinien zu erfüllen. Eine Sanierung würde die Bedarfe und auch die Visionen für ein Opernhaus der Zukunft kaum oder nur bedingt erfüllen können.  

Kosten für das neue Opernhaus

Für einen Neubau wurde ein grob geschätzter Kostenrichtwert, ohne Einbeziehung der Kosten für den Baugrund und für den möglichen Erwerb eines alternativen Grundstücks, aufgestellt. Dieser orientiert sich am aufgestellten Nutzerbedarfsprogramm. Der vorläufigen und ausschließlich auf dem aktuellen Wissenstand beruhende Kostenrichtwert beträgt mindestens 716 Millionen Euro.

Zu den möglichen Standorten

Parallel zu den Prüfungen der Verwaltung hinsichtlich der Frage "Neubau oder Sanierung?" wurden Standortoptionen für einen Oper-Neubau, aber auch eine mögliche Interims-Spielstätte betrachtet. Zu Beginn der Standortprüfungen wurden rund 30 Orte identifiziert, an denen eine Oper entstehen könnte. Hierbei wurden zunächst ausschließlich die Flächenbedarfe eines möglichen Neubaus bzw. eines Interims zugrunde gelegt.

In einem zweiten Schritt wurden die rund 30 Standorte hinsichtlich der Kriterien "Zentralität" (z. B. zentrale Lage oder Erreichbarkeit), "Verfügbarkeit" (handelt es sich um städtisches Eigentum, wie sehen die Entwicklungsabsichten aus, etc.) und "technische Machbarkeit" (u. a. Grundstücksgröße, verkehrliche und logistische Erreichbarkeit) untersucht. Nach der Prüfung auf Grundlage der vorgenannten Kriterien und unter Einbeziehung der Ergebnisse der Bürgerbeteiligung konnten zuletzt zwei Standorte für einen möglichen Neubau identifiziert werden, die näher betrachtet werden sollen: das städtische Grundstück an der Heinrich-Heine-Allee sowie der Standort Am Wehrhahn 1.

Für diese Standorte müsste das Baurecht geschaffen und mit den jeweiligen Rahmenbedingungen nach einer Entscheidung zum Standort entsprechend umgegangen werden. Beide Vorschläge haben ihre Besonderheiten, diese müssen im Anschluss an die Grundsatzentscheidung zum Neubau eines Opernhauses abgewogen werden.

Die nächsten Schritte

Sollte sich der Rat der Landeshauptstadt für einen Neubau entscheiden, ist es das Ziel, im 1. Quartal 2022 eine Standortentscheidung herbeizuführen, sodass im Anschluss die Planung bezogen auf den Standort konkretisiert werden können. Dabei gilt es unter anderem die Verfügbarkeit und das Beschaffungsmodell für die Neubaustandorte zu klären und abzustimmen. Darüber hinaus soll im Zusammenhang mit der Standortentscheidung das Konzept zur Öffentlichkeitsbeteiligung und die geplante Projektstruktur vorgestellt werden. Zudem soll im Anschluss an den Grundsatzbeschluss das Raumprogramm und -konzept für das Opernhaus der Zukunft unter Einbeziehung der im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung und der Opernkonzeption gewonnenen Erkenntnisse möglicher erweiterter Nutzungsoptionen angepasst werden.

Mit der Einholung des Grundsatzbeschlusses ist die Arbeit der Projektgruppe "Opernhaus der Zukunft" abgeschlossen. Zur weiteren Begleitung des Vorhabens soll eine Kleine Kommission "Opernhaus der Zukunft" eingerichtet werden.

Unvermeidbare Sanierungsmaßnahmen am jetzigen Standort

In der Vergangenheit traten im Gebäude vermehrt bauliche und technische Mängel auf, die den Spielbetrieb gefährdeten. Aus diesem Grund wurde bereits im Oktober 2017 der Bedarfsbeschluss für die zwingend notwendigen und sicherheitsrelevanten Sanierungen am Gebäude eingeholt. Seitdem wurden rund 11 Millionen Euro zur Aufrechterhaltung des Betriebes in unvermeidbaren Sanierungsmaßnahmen investiert. Zuletzt wurde Anfang November 2021 die Ausführung und Finanzierung der Abdichtung des Foyerdaches in den Fachausschüssen beschlossen. Mit einer Entscheidung zum Neubau des Opernhauses sollen zukünftig weiterhin ausschließlich die zur Aufrechterhaltung des Betriebes absolut zwingenden Sanierungsmaßnahmen umgesetzt werden.