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Nam June Paik – Pionier der Videokunst

Paik-Award 2014 im Museum Haus Lange

Am 28. September 2014 wird die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung im Museum Haus Lange verliehen.

Krefeld - Der Künstler Nam June Paik sitzt in einem New Yorker Taxi und filmt aus dem Fenster heraus den Besuch von Papst Paul VI. An diesem 4. Oktober 1965 hatte sich der gebürtige Koreaner als einer der Ersten überhaupt einen "Portapack“ gekauft, ein Halbzoll-Videogerät. Das System aus einer Kamera und einem tragbaren Videorecorder zeichnet schwarz-weiß auf. Abends präsentiert er einigen Freunden im Nachtclub "Café Au Go Go“ in Greenwich Village die Aufzeichnung, die er anschließend wieder überspielen wird.
Nam June Paik (20. Juli 1932 bis 29. Januar 2006) begründete in diesem New Yorker Kellerclub so eine neue Kunstform, die Videokunst. In Erinnerung an das Werk und den Esprit des Medienpioniers schreibt die Kunststiftung NRW den "Nam June Paik Award“ seit 2002 biennal in Kooperation mit einer Institution in Nordrhein-Westfalen aus. "Das ist einer der wichtigsten Medienkunstpreise überhaupt“, betont Dr. Sylvia Martin, stellvertretende Leiterin der Kunstmuseen Krefeld. Bereits Ende der 1960er-Jahre interessierte sich Paul Wember, der ehemalige und als progressiv bekannte Direktor des Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museums, für diese neue Kunstform. In diese Zeit fallen auch Besuche von Gerry Schum, einem der deutschen Videopioniere, und seiner Partnerin Ursula Wevers in Krefeld.
Bundesweite Aufmerksam erhielten sie für ihre Fernseh-Ausstellungen "Land Art“ (1969) und "Identifications“ (1970), die in Deutschland ausgestrahlt wurden. "Für die Vorführung in Krefeld kamen die Künstler mit ihren Abspielgeräten“, berichtet Martin. Diese avantgardistische Kunst beeindruckte Wember und obwohl er zuerst selbst über kein Abspielgerät verfügte, kaufte er bereits 1971 diese und andere Werke, unter anderem von John Baldessari, Jan Dibbets und Peter Hutchinson. In der Bundesrepublik wagte damals kaum ein anderes Museum, derartiges zu erwerben. Aachen und Essen hätten noch gesammelt, jedoch nicht in einem vergleichbaren Umfang wie die Kunstmuseen Krefeld. "Das es damals als Kunst galt, war nicht selbstverständlich. Für uns ist dieser frühe Bereich der Videokunst heute sehr wertvoll“, sagt Martin. Wembers Nachfolger Dr. Gerhard Storck und Dr. Martin Hentschel setzten diese Ankäufe fort. So kam auch Nam June Paiks "Global Groove“ (1973) im Jahr 1980 in die Sammlung der Krefelder Kunstmuseen. Andere Museen begannen da erst, sich überhaupt für Videokunst zu interessieren.
"Global Groove ist eines der bedeutenden Frühwerke von Nam June Paik“, sagt Martin. Den rund 29-minütigen Film stellte er in Zusammenarbeit mit dem New Yorker Sender WNET-TV her, der ihn Anfang 1974 ausstrahlte. Bei der Produktion handelte sich um einen Staatsauftrag. Paik sollte ein Werk schaffen, das in Zeiten des Vietnamkriegs zur Völkerverständigung beitragen sollte. "Viele seiner Künstlerfreunde hat er in diese Arbeit eingebunden“, sagt Martin. So treten der Komponist und Künstler John Cage, der Dichter Allen Ginsberg und die Cellistin Charlotte Moorman auf. In 21 Sequenzen reiht Paik Szenen aus verschiedenen Kulturräumen, aus Hoch- und Populärkultur in Bild und Ton aneinander. Aber auch der damalige US-Präsident Richard Nixon wurde mit einem verzerrten Gesicht eingebunden. Dabei nutzte Paik einen selbst entwickelten Synthesizer, mit dem elektronische Bilder auf unterschiedliche Weise bis hin zu psychedelisch anmutenden Effekten manipuliert werden konnten. Manche Szenen wirken so wie gemalt. "Ob den Auftraggebern das Werk gefallen hat, ist aber nicht überliefert“, so Martin. "Global Groove“ zählt jedoch heute zu Paiks Hauptwerken.
Für den "Nam June Paik Award 2014“ sind die Künstler Ulf Aminde, Cory Arcangel, Camille Henrot und Thomson & Craighead nominiert. Die Künstler werden in der Ausstellung zum "Nam June Paik Award 2014“ vom 28. September bis zum 15. Februar 2015 in dem von Mies van der Rohe entworfenen Haus Lange in Krefeld jeweils eine Arbeit zeigen. Des Weiteren präsentiert Céline Berger, Förderpreisträgerin des Nam June Paik Awards 2012, ein eigens für diese Ausstellung konzipiertes Werk.

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