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Nachholbedarf bei inklusiver Bildung

Experten beraten bei zweitägigem Gipfel

In Deutschland besteht nach Ansicht von Experten bei der Umsetzung des gemeinsamen Unterrichts für Schüler mit und ohne Behinderung weiter deutlicher Nachholbedarf.

Berlin - Eine bei einem Inklusionsgipfel der deutschen UNESCO-Kommission in Bonn vorgestellte Studie zum deutschen Schulrecht kommt zu dem Schluss, dass in den Bundesländern noch "erhebliche Anstrengungen" erforderlich sind.

In Deutschland trat im Jahr 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft. Darin ist auch das Recht auf einen gemeinsamen Unterricht aller Schüler festgelegt. Im Schuljahr 2012/2013 wurden von 495.000 Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Deutschland etwa 140.000 Kinder in allgemeinen Schulen unterrichtet. Damit besucht der Großteil weiterhin Förderschulen.

Das Deutsche Institut für Menschenrechte untersuchte nun als Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention die rechtlichen Rahmenbedingungen für die inklusive Bildung in den Bundesländern. Die Länder sind für die Umsetzung verantwortlich. Bei der Untersuchung zeigten sich erhebliche Defizite: Insgesamt bleibe fünf Jahre nach Inkrafttreten der UN-Konvention der Umsetzungsstand hinter den Erwartungen zurück, erklärte Institutsleiter Valentin Aichele.

In keinem Bundesland ist laut Aichele ein "abschließend entwickelter rechtlicher Rahmen" erkennbar, der "den Aufbau und die Unterhaltung eines inklusiven Bildungssystems hinreichend oder gar adäquat gewährleisten könnte". In allen Ländern sei zwar die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung rechtlich zumindest möglich und als Regelfall vorgesehen. "Allerdings gibt es in den meisten Ländern weitreichende Einschränkungen oder Vorbehalte", erklärte Aichele.

In Bonn kamen am Mittwoch rund 350 Politiker und Fachleute zu einem zweitägigen Inklusionsgipfel der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) zusammen. Die Vorsitzende des Expertenkreises "Inklusive Bildung" der deutschen UNESCO-Kommission, Ute Erdsiek-Rave, erklärte zu Beginn des Treffens, Inklusion erfordere zwar zusätzliche Kosten im Bildungswesen, verbessere aber zugleich die Qualität der Bildung insgesamt und könne zur Entlastung von sozialen Folgekosten beitragen.

Die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), hob hervor, dass Inklusion nicht nur die Schule betreffe. Diese sei eine "gesamtgesellschaftliche, lebensbegleitende Generationenaufgabe und die Grundvoraussetzung für eine offene und tolerante Gesellschaft".

(xity, AFP)


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