Museum Burg Linn zeigt Schützen-Ausstellung

Bedeutung und Entwicklung des Schützenbrauchtums

Das Museum Burg Linn widmet sich mit der neuen Sonderausstellung "Krefelder Schützen" der kulturhistorischen Bedeutung und der Entwicklung des Schützenbrauchtums.

Krefeld - Die Ausstellung verdeutlicht die Geschichte der Schützen beginnend mit ihren Ursprüngen im Frühmittelalter über ihre Funktion unter anderem als Stadtwachen im Mittelalter bis hin zur heutigen Brauchtumspflege. "Das Schützenwesen entwickelte sich wesentlich in den Städten", sagt Museumsleiter Dr. Christoph Reichmann. Im heutigen Stadtgebiet lagen drei mittelalterliche Städte mit Uerdingen, Linn und Krefeld und Teile mehrerer großer Kirchspiele, darunter Fischeln, Bockum und Hüls, so dass sich dort ein beispielhafter Einblick in die Entwicklung des niederrheinischen Schützenwesens gewinnen lasse.

Das Wort "Schütze" leitet sich zwar vom Schießen ab, doch im Mittelalter und der Frühen Neuzeit besaßen die wenigsten Schützen Feuerwaffen. "Jeder Stadtbürger hatte die Pflicht, die Stadt zu verteidigen", so Reichmann. Ihren Schutzauftrag erfüllten sie deswegen oft mit Piken, Pfeil und Bogen. ?Die Schießscharten an der Linner Stadtmauer sind noch für Bogenschützen ausgelegt", so Reichmann. Im mittelalterlichen Köln sei beispielsweise die Stadtmauer in Abschnitte unterteilt gewesen, die von verschiedenen Schützeneinheiten gesichert wurden. Der erste Nachweis für Schützen in Krefeld geht ins 14. Jahrhundert zurück: Der kurkölnische Amtmann auf Burg Linn hatte acht Schützen zur Sicherung der Festung zu besolden. Ihre militärische Funktion büßten die Schützen ab dem 17. Jahrhundert in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und der Professionalisierung der Söldner langsam ein.

Die Exponate stammen aus dem Museumsbestand sowie aus dem Bestand des Linner Schützenvereins 1388 und der Bürger-Schützen-Gesellschaft 1451 Fischeln. Die Archivare der beiden Vereine, der Linner Karl-Heinz Foncken und der Fischelner Benedikt Lichtenberg, haben bei der Umsetzung der Ausstellung mitgewirkt. In der Präsentation im Museum Burg Linn werden unter anderem Uniformen und Festkleider sowie historische Schützenwaffen und Nachbildungen gezeigt. Werbeplakate, historische Fotoaufnahmen und Schützensilber werden ebenso gezeigt wie Vereinsfahnen. Zu diesen zählt auch eine des heute nicht mehr existierenden Diana Crefeld-Inrath 1882, aufgelöst 1939. Ihre Fahne aus den 1920er-Jahren wirkt sehr modern, der Entwurf könne eventuell von einem Schüler oder Lehrer der Werkkunstschule stammen.

Unterstützung für Gemeinwohl und Kirche
Neben ihren militärischen Aufgaben unterstützten Schützenbruderschaften schon immer das Gemeinwohl und die Kirche. Diese caritative Aufgabe hat sich bis heute auf vielfältige Weise erhalten. "Die Bruderschaften waren in der Kirche im Dienst am Nächsten tätig", sagt Lichtenberg. So spendeten Schützen auch mal ihr Silber, um die Kirche oder Menschen zu unterstützen. Die Schützenfeste hatten ihren Ursprung im 14./15. Jahrhundert in der Ausbildung, aus der sich später das Vogel- beziehungsweise das Preisschießen entwickelten. In zahlreichen staatlichen Anordnungen wurde das Feiern und Schießen "geregelt". Doch die zahlreichen Wiederholungen lassen eher darauf schließen, dass die Ausschweifungen selten durch die Obrigkeit reglementiert werden konnte. Die letzte große staatliche Einschränkung in Krefeld gab es nach dem Zweiten Weltkrieg: Die alliierte Militärregierung untersagte den Schützen die Nutzung von Waffen. So kam es, dass 1950 Kinder und Erwachsene an der Untergath mit einer Armbrust auf den "Vogel" geschossen haben. Die Vereine erhielten dann in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre wieder die Erlaubnis, mit Gewehren zu schießen.

Die Ausstellung im Museum Burg Linn dauert bis zum 22. Mai. Dazu ist eine 96-seitige Publikation erschienen. Das Buch kostet zwölf Euro. Das Museum bietet zur Ausstellung Führungen nach Anmeldung unter Telefon 0 21 51 / 15 53 90 an. Das Museum an der Rheinbabenstraße 85 öffnet von 11 bis 17 Uhr, ab 1. April von 10 bis 18 Uhr.