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Museum Burg Linn: Buch über Römer und Franken

Publikation von Dr. Christoph Reichmann

Nach den Römern herrschten die Franken am Niederrhein. Über die Zeit der Römer existieren zahlreiche Publikationen, filmische Dokumentationen und archäologische Museen entlang des Rheins widmen sich ausschließlich diesem Thema.

Krefeld - Doch wer waren eigentlich die Franken? Die Periode zwischen dem Niedergang der römischen Herrschaft am Niederrhein und dem Auftreten der Franken zum Ende der Spätantike und dem Frühmittelalter lässt sich nur durch wenige zeitgenössische Quellen erfassen. Die archäologischen, fränkischen Funde, insbesondere im und rund um das einstige römische Kastell im heutigen Krefeld-Gellep, ermöglichen schon eher eine Interpretation, wer denn diese Franken überhaupt waren. Dr. Christoph Reichmann, Archäologe und Leiter des Museums Burg Linn in Krefeld, hat nun erstmals für die Region in seinem neuesten Buch "Römer und Franken am Niederrhein“ eine Synthese zwischen historischen Quellen und archäologischen Funden hergestellt. Er stellt dabei neue Thesen auf und betrachtet kritisch bislang gängige Lehrmeinungen.

Der Titel dieser neuen Publikation führt zunächst in die Irre, denn Reichmann legt seinen Schwerpunkt eindeutig auf die Franken und reicht geografisch zumindest am Anfang weit über den Niederrhein hinaus. Die Römer zwischen Köln und der Nordsee, die Zeit bis zum Verfall ihrer Verwaltungsstrukturen bilden lediglich vordergründige Ansatz- und Verknüpfungspunkte, um eine kurze Geschichte der Franken am Niederrhein zu erzählen. Seine Betrachtungen beginnen um Christi Geburt und reichen bis in das achte Jahrhundert. Dabei ergründet Reichmann auch die Stammesentwicklung im heutigen norddeutschen und niederländischen Bereich, dem Ursprungsgebiet der späteren Franken. "Es existieren unterschiedliche Auffassungen, wer die Franken sind und wo sie hergekommen sind. Meiner Auffassung nach ist es ein echter Zusammenschluss“, meint Reichmann. Das "politische Ereignis“ dafür sei die Varus-Schlacht im Jahr neun nach Christus gewesen, so seine These. An dieser Schlacht hätten sich Stämme beteiligt, die sich dann zu den "Frank und Freien“, den Franken vereinigt haben.

Eine wichtige Rolle in der Kontaktzone zwischen Römern und Franken spielte das römische Kastell Gelduba (Krefeld-Gellep) aufgrund seiner geostrategischen Lage am Rhein, am vis-a-vis endenden, rechtsrheinischen Hellweg und an der nördlichen Grenze der Kölner Provinz. Während im fünften Jahrhundert in der Xantener Provinz und weiter stromabwärts schon keine römischen Strukturen mehr erkennbar seien, haben die Franken in der Kölner Region deren Verwaltungsgestaltung beibehalten. Gellep bildete einen Gau in diesem Gebiet. Das dort entdeckte und von Räubern verschonte reichhaltige Fürstengrab,(andere in Gelduba aufgefundene Fürstengräber wurden ausgeraubt) lässt den Schluss zu, dass der Stützpunkt und die Siedlung auch unter fränkischer Herrschaft bis ins achte Jahrhundert eine bedeutende Ortschaft und ein wichtiger Handelplatz mit einem Rheinhafen war.

Von der Existenz der Franken zeugen heute vor allem noch die über 6000 Gräber auf dem größten nördlich der Alpen gelegenen römisch-fränkischen Gräberfeld, das erforscht worden ist. In Archäologenkreis kursiert aufgrund dieser guten Dokumentation die ernsthaft wie spaßig gemeinte Behauptung, das fünfte Jahrhundert habe nur in Gellep stattgefunden. In der Tat lassen sich Funde anderenorts und historische Ereignisse erst durch die Krefelder Untersuchungen einordnen beziehungsweise untermauern diese.

Mit "Römer und Franken am Niederrhein“, erschienen im Nünnerich-Asmus Verlag in Mainz, hat Dr. Christoph Reichmann ein kompaktes und reich illustriertes Buch (120 Seiten, 76 Abbildungen) über die eher wenig beachtete Geschichte der Franken am Niederrhein verfasst. Diese Einführung bietet historisch Interessierten einen kurzweiligen Überblick, Fachleute mögen sich an Reichmanns Thesen und Interpretationen reiben. Auf jeden Fall hat der Krefelder Archäologe damit belegt, dass das fünfte Jahrhundert nicht nur in Gellep stattfand, sondern zumindest am Niederrhein. Das Buch kostet 29.90 Euro und ist im Buchhandel sowie im Museumsshop in Linn erhältlich.


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