23.10.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Morbider Psychothriller 'Vollblüter'

Morbider Psychothriller 'Vollblüter'

Teenager legen die letzten Moralvorstellungen ab

In Cory Finleys zutiefst verstörendem, morbidem Psychothriller legen zwei emotional verwahrloste Rich Kids auch noch ihre letzten Moralvorstellungen ab.

Düsseldorf - Lily (Anya Taylor-Joy) wohnt in einem sehr wohlhabenden Viertel in Connecticut. Sie ist höflich, schick gekleidet, intelligent - und hasst ihren Stiefvater abgrundtief. Amanda (Olivia Cooke) dagegen ist eine gefühllose, grundehrliche Soziopathin, die vor dem Spiegel lächeln üben muss und sich selbst beigebracht hat, auf Kommando zu weinen. Ihre Ärzte verzweifeln an dem Mädchen, das wie eine leere Hülle wirkt. Eiskalt hat Amanda ihr Pferd, den titelgebenden Vollblüter mit einem Messer abgeschlachtet, da er unheilbar lahmte. Ihre verzweifelte Mutter schickt das isolierte Mädchen zu ihrer ehemaligen Sandkastenfreundin Lily, um ihr Nachhilfe zu geben. Heimlich bezahlt sie sie dafür.

Doch wider Erwarten freunden sich die beiden grundverschiedenen Mädchen an. Zwischen ihnen herrscht von Beginn an eine ungute Spannung, die sich nicht nur auf die außergewöhnliche Schauspielleistung der beiden, sondern auch auf den furiosen Einsatz sämtlicher filmischer Mittel zurückführen lässt.

Schon bald eint die Teenagerinnen tiefe Verachtung für Lilys Stiefvater Mark (Paul Sparks), ein selbstherrliches, fitnessbesessenes Ekelpaket, von dessen materieller Gunst Lily und ihre schwache Mutter abhängig sind. In seinem mondänen, von Kameramann Lyle Vincent ("A Girl Walks Home Alone at Night") atemberaubend eingefangenen Haus, das gleichsam das kühle Innenleben der Teenagerinnen spiegelt, schmieden sie den Plan, den verhassten Stiefvater zu ermorden.

Unterstützt von dem außergewöhnlichen, percussionreichen Soundtrack des New Yorker Cellisten und Komponisten Erik Friedlander taucht man als Zuschauer tief in die Psyche der beiden ein - Hitchcock, dessen Handschrift dieser Film durchaus auch trägt, hätte seine wahre Freude an diesem rabenschwarzen Psychothriller gehabt.

Spätestens, wenn der Stiefvater Lilys Mutter eine Sonnenbank kauft, weil er nun mal auf gebräunten Teint steht, oder wenn er Lily mitteilt, dass er sie auf in Internat für verhaltensgestörte Jugendliche stecken wird, ist der Zuschauer heimlich auf der Seite der entfesselten Mädchen.

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