Ministerium weist Ärztekritik gegen Versorgungsreform ab

Widmann-Mauz: Warnung vor Praxisschließungen "Unsinn"

Das Gesundheitsministerium hat die Pläne der Koalition zur Reform der ärztlichen Versorgung gegen Kritik verteidigt.

Berlin - Es müsse jetzt gehandelt werden, damit die medizinische Versorgung in Deutschland auch künftig auf hohem Niveau bleibe, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) bei der ersten Lesung des Versorgungsstärkungsgesetzes im Bundestag. Dazu gehöre auch, dass niedergelassene Ärzte dort praktizieren, wo sie gebraucht werden.

Vor allem in ländlichen Regionen hätten bereits heute viele Hausärzte Probleme, Praxisnachfolger zu finden. Auch die Versorgung mit Fachärzten bereite Sorge. Deshalb müsse gehandelt werden, "bevor eine Unterversorgung eingetreten ist", betonte Widmann-Mauz, die den an Grippe erkrankten Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vertrat.

Der Gesetzentwurf sieht unter anderem mehr finanzielle Anreize für Ärzte vor, sich in strukturschwachen Regionen niederzulassen. Auf der anderen Seite sollen etwa aus Altersgründen frei gewordene Arztpraxen in überversorgten Gebieten nur noch dann nachbesetzt werde, wenn dies für die Versorgung sinnvoll ist. Warnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), wonach bis zu 25.000 Praxen in Deutschland dicht machen müssten, wies Widmann-Mauz zurück. "Das ist blanker Unsinn." Die Ärzte selbst legten gemeinsam mit den Kassen vor Ort fest, wann eine Praxis nachbesetzt wird.

Auch die Kritik von Ärztevertretern an der Einrichtung von Terminservicestellen zur Vergabe von Facharztterminen hält das Bundesgesundheitsministerium für unbegründet. Bereits heute seien die Kassenärztlichen Vereinigungen verpflichtet, dafür zu sorgen, dass Versicherte zeitnah einen Termin bekommen. Künftig sollten sich die Versicherten darauf verlassen können, dass sie nach einer Überweisung durch den Hausarzt "binnen vier Wochen" einen Termin beim Facharzt bekommen, betonte Widmann-Mauz.

Die Regelung soll nicht bei planbaren und verschiebbaren Routineuntersuchungen oder Bagatellbehandlungen gelten. Auch wird ein Termin beim Wunscharzt nicht garantiert. Die KBV hatte kritisiert, das Gesetz sei "nicht geeignet", die ambulante ärztliche Versorgung zu stärken. Dadurch würden im Gegenteil junge Mediziner vor einer Niederlassung abgeschreckt.

(xity, AFP)