Mindestens vier Hochwassertote in Bayern und Überschwemmungen in NRW

Bayern zahlt 1500 Euro Soforthilfe - Angespannte Lage im Landkreis Wesel

Chaos und Zerstörung: Simbach am Inn wurde schwer von Überschwemmungen getroffen.

Mindestens vier Tote, mehrere Vermisste und Schäden in Millionenhöhe: Am Tag nach den verheerenden Überflutungen in Niederbayern haben sich Politiker und Betroffene am Donnerstag schockiert über das Ausmaß gezeigt. Die Lage in den betroffenen Gebieten blieb angespannt, auch in Nordrhein-Westfalen gab es Überschwemmungen. Offen blieb, wie sich die Gemeinden gegen solche überraschenden Katastrophen in Zukunft schützen können.

Taucher entdeckten am Mittwochabend in einem Haus in Simbach am Inn im besonders stark betroffenen Landkreis Rottal-Inn drei Leichen. Dabei handelt es sich nach den Worten eines Polizeisprechers um drei Frauen aus einer Familie - die 78-jährige Großmutter, deren 56 Jahre alte Tochter und die 28 jährige Enkeltochter. Im ebenfalls zu dem Landkreis zählenden Julbach bargen die Rettungskräfte eine 80 Jahre alte Frau tot aus einem Bach. Sie sei offenbar weggeschwemmt worden, als ihr Haus einstürzte.

Bei den Vermissten blieben die Zahl und das Schicksal zunächst unklar. Der Landrat von Rottal-Inn, Michael Fahmüller (CSU), sagte, die Zahlen schwankten. "Wir gehen momentan von mehreren Vermissten aus." Ein Polizeisprecher sprach von aktuell vier Vermissten. Zwei davon seien womöglich lediglich wegen der ausgefallenen Strom- und Telefonleitungen nicht erreichbar. Bei zweien sei aber womöglich "Schlimmeres zu befürchten". Taucher seien bei der Suche im Einsatz. Noch immer seien einige Häuser überflutet.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zeigte sich "tief betroffen" von der Katastrophe, vier Mitglieder seines Kabinetts reisten ins Katastrophengebiet. Der Freistaat kündigte an, 1500 Euro Soforthilfe pro Haushalt zu zahlen. Mit der Auszahlung werde am Freitag begonnen. Auch Landwirten und Geschäftsleuten solle geholfen werden.

Ab der Nacht zum Donnerstag entspannte sich in dem unter Katastrophenalarm stehenden Landkreis die Situation zwar etwas, die Pegelstände sanken. Allerdings gab es bereits die nächste Warnung vor Starkregen. Nach wie vor waren 8000 Haushalte nach Angaben des Netzbetreibers Bayernwerk vom Strom abgeschnitten.

Unterdessen hieß es auch in Teilen Nordrhein-Westfalens Land unter. Im Landkreis Wesel wurde in der Nacht zum Donnerstag wegen der starken Regenfälle Katastrophenalarm ausgelöst. Ein Krisenstab wurde eingesetzt. Besonders betroffen seien die Innenstadtbereiche von Sonsbeck und Xanten. Hier floss das Wasser nicht mehr ab.

Im Bereich Hamminkeln spitzte sich die Lage zu. Der Pegel der Issel stieg auf über zwei Meter. Dadurch war ein Damm in Gefahr. Dem Landkreis zufolge wurden 20.000 Sandsäcke für den Notfall vorbereitet. Bei einem Unfall während starker Regenfälle wurden auf der Autobahn 1 bei Remscheid-Lennep nach Polizeiangaben zwei Menschen schwer verletzt.

Niederbayern war auch 2013 vom Jahrhunderthochwasser stark betroffen, damals waren allerdings die großen Flüsse Donau, Inn und Ilz betroffen. Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU) nannte die Hochwasserlage im Bayerischen Rundfunk überraschend. Es seien "Bäche, die sonst von völlig untergeordneter Bedeutung sind, aufgrund extremer Niederschläge extrem angeschwollen und das Wasser war plötzlich an Stellen unterwegs, wo das nicht zu erwarten ist". Es solle nun analysiert werden, was in Zukunft besser gemacht werden könne.

Auch in Frankreich lösten heftige Regenfälle schwere Überschwemmungen aus. Anders als zunächst angenommen starb eine tot in ihrem überfluteten Haus in Souppes-sur-Loing gefundene 86-Jährige aber laut Polizei wohl nicht infolge des Hochwassers.

© 2016 AFP