Meuthen will nach angekündigtem Rückzug Einfluss in der AfD behalten

Scheidender Parteichef rechnet nicht mit Kandidatur Höckes für Vorsitz

Der scheidende AfD-Chef Jörg Meuthen will auch nach dem angekündigten Rückzug von seinem Führungsposten Einfluss auf die Geschicke der Partei nehmen.

Berlin - Die Freude seiner innerparteilichen Gegner werde nur von kurzer Dauer sein, sagte er am Dienstag dem Portal t-online. "Wenn sie glauben, jetzt seien sie mich los, irren sie. Die werden sehr schnell merken, dass ich nicht weg bin. Das ist kein Rückzug."

Meuthen geht auch nicht davon aus, dass der dem radikalen Parteiflügel zugeordnete Thüringer Landeschef Björn Höcke auf dem Parteitag im Dezember in Wiesbaden für den Bundesvorsitz kandidiert. Dieser traue sich "seit Jahren nicht aus seiner Thüringer Trutzburg". "Von Medien wird ihm ein Gewicht beigemessen, das er de facto gar nicht hat."

Meuthen räumte zugleich ein, den extremen "Flügel" der Partei lange falsch eingeschätzt zu haben. Im Jahr 2018 habe der Flügel nicht mehr nur den Anspruch erhoben, Teil der AfD zu sein. Vielmehr sei zu hören gewesen: "Der "Flügel" ist die Partei." Dann habe er "den Hebel umgelegt", sagte Meuthen, der Höcke zunächst unterstützt hatte, zu seinem damaligen Kurswechsel. "Ich habe das zu spät gesehen, zu diesem Fehler muss ich stehen."

Meuthen hatte an einem am Montag bekannt gewordenen Rundbrief an die Mitglieder seinen Verzicht auf eine neuerliche Kandidatur als Bundessprechers beim Parteitag im Dezember angekündigt. Konkrete Gründe für seinen Schritt nannte Meuthen in dem Schreiben an die Mitglieder nicht. Er wolle aber seine politische Arbeit fortsetzen", schrieb der Europaabgeordnete.

Meuthen vertritt den als gemäßigter geltenden wirtschaftsliberalen Flügel der Partei. In der AfD verlagert sich das Machtgefüge aber seit längerem in Richtung der radikalen Kräfte um Höcke. Auch im Bundesvorstand konnte sich Meuthen zuletzt nicht mehr durchsetzen.

(xity, AFP)