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Merkel für Aufarbeitung der Verbrechen in Chile

Treffen mit chilenischem Präsidenten Piñera in Berlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für eine Aufarbeitung der in der Siedlung Colonia Dignidad in Chile begangenen Menschenrechtsverbrechen ausgesprochen.

Berlin - Nach einem Treffen mit dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera am Mittwoch im Bundeskanzleramt sagte Merkel, dass sie beide die "Aufarbeitung dieser Verbrechen gerade im Hinblick auch auf die überlebenden Opfer für außerordentlich wichtig erachten". Sie gehe davon aus, dass "als Ergebnis auch ein Lernort herauskommen könnte". Grundsätzlich stehe sie dem "positiv" gegenüber.

Piñera sagte, es herrsche "in zwei großen Punkten" Übereinstimmung mit Deutschland: bei der "Verurteilung der Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen, die in der Colonia Dignidad begangen wurden". "Außerdem wollen wir zu einem Abkommen kommen, um ein Dokumentationszentrum oder auch eine Gedenkstätte an dem Ort zu eröffnen, an dem diese Angriffe auf die Menschenrechte verübt wurden", sagte der chilenische Präsident.

In der 1961 gegründeten sektenartigen Siedlung Colonia Dignidad wurden zur Zeit der chilenischen Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) Menschen vergewaltigt, gefoltert und getötet. Die Siedlung war von dem aus Deutschland geflohenen ehemaligen Wehrmachtsgefreiten und Laienprediger Paul Schäfer nahe der Stadt Parral, rund 350 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago, gegründet worden. Schäfers Schläger folterten Oppositionelle und bildeten Folterknechte für den chilenischen Geheimdienst aus.

Nach dem Ende der Militärdiktatur häuften sich die Vorwürfe und Anzeigen gegen die Colonia. Außer um Kindesmissbrauch ging es auch um Steuerhinterziehung, Waffenschmuggel, Freiheitsberaubung und Drogenmissbrauch. 1991 wurde die Siedlung offiziell aufgelöst.

(xity, AFP)


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