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Merkel erschüttert über Anschlag in Paris

Kanzlerin: Angriff auf Kernelement unser Kultur

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich erschüttert über den "niederträchtigen Anschlag" auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" in Paris gezeigt.

Berlin - "Diese abscheuliche Tat ist nicht nur ein Angriff auf das Leben französischer Bürgerinnen und Bürger und die innere Sicherheit Frankreichs", schrieb Merkel in einem Kondolenztelegramm an den französischen Präsidenten François Hollande. "Sie stellt auch einen Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit dar, ein Kernelement unserer freiheitlich-demokratischen Kultur, der durch nichts zu rechtfertigen ist."

Deutschland stehe "in diesen schweren Stunden eng an der Seite unserer französischen Freunde", schrieb die Kanzlerin weiter. Sie drückte in dem Telegramm dem französischen Präsidenten und seinen Landsleuten "die Anteilnahme der Menschen in Deutschland und mein ganz persönliches Mitgefühl" aus.

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte der französischen Regierung ebenfalls Unterstützung "gegen diesen fanatischen Gesinnungsterrorismus" zu. "Der Terroranschlag in Paris richtet sich gegen die Meinungsfreiheit in unserer offenen Gesellschaft", hob er in Berlin hervor. "Die Angehörigen der Opfer, aber auch alle Journalisten, Schriftsteller und Künstler, die sich für das freie Wort einsetzen, brauchen unsere volle Solidarität."

"Ein solcher Akt des Terrors im Herzen einer europäischen Metropole gegen Vertreter einer freien und kritischen Presse ist abscheulich", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) der "Bild"-Zeitung. Er sprach von einem "frontalen Angriff auf unsere europäischen Werte und die Freiheit unserer Gesellschaften, dem wir uns gemeinsam mit aller Kraft entgegenstellen müssen".

CSU-Chef Horst Seehofer nannte den Anschlag in Paris "barbarisch". "Das ist erschütternd", sagte er weiter am Rande der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth.

Linksfraktionschef Gregor Gysi sprach von einer "zutiefst verabscheuungswürdigen Tat". Zugleich warnte er davor, dass "Rassisten und Ausländerfeinde eine solche fürchterliche Tat dazu missbrauchen, ihre Parolen gegen friedliche Mitbürgerinnen und Mitbürger anderer Herkunft bei uns zu verschärfen". Das eine wie das andere sei nicht hinnehmbar, erklärte Gysi in Berlin.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), rief dazu auf, die westlichen Werte entschlossen zu verteidigen. "Dieser verheerende Anschlag galt nicht nur dem Magazin 'Charlie Hebdo', sondern der Meinungs- und Pressefreiheit generell und damit wichtigen Grundrechten und Werten", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung".

Bei dem Anschlag auf den Sitz der Satire-Zeitung in Paris wurden mindestens zwölf Menschen getötet. Mindestens zwei vermummte Männer griffen mit einer Kalaschnikow und einem Raketenwerfer den Sitz der Zeitung an, die für ihre provokanten Mohammed-Karikaturen bekannt ist. Sie war deswegen bereits wiederholt Ziel islamistischer Attacken gewesen.

Trotz der vorhergehenden Anschläge auf die Redaktionsräume des Magazins sei nicht abzusehen gewesen, "dass es einen Massenmord geben würde", sagte der deutsch-französische Publizist Alfred Grosser dem Berliner "Tagesspiegel". Auch er äußerte sich bestürzt über den Angriff auf das Satiremagazin.

Der Anschlag löste auch bei deutschen Medienvertretern Entsetzen aus. "Das ist ein Anschlag auf das Grundrecht der Presse- und Meinungsfreiheit", sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, nach DJV-Angaben in Bonn. Er sprach den Toten das Beileid aller DJV-Mitglieder aus.

"Der Kulturbereich wird sich auch durch den abscheulichen Anschlag in Paris nicht einschüchtern lassen", erklärte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann. Gerade Satire ermögliche die kritische Auseinandersetzung mit politischen Entwicklungen und sei damit ein Lebenselexier für den gesellschaftlichen Diskurs.

Der Chefredakteur des deutschen Satiremagazins "Titanic", Tim Wolff, kündigte an, sein Blatt werde sich durch den Anschlag auf "Charlie Hebdo" nicht in seiner Arbeit beeinflussen lassen. "Wenn ein Thema für uns wichtig ist und wir die Witze lustig finden, drucken wir das", sagte Wolff dem "Wiesbadener Kurier". Er wies darauf hin, dass auch "Titanic" schon Mohammed-Karikaturen nachgedruckt habe. Wolff nannte es allerdings "beunruhigend", dass Menschen glaubten, sich gegen Wort und Bild mit Waffengewalt wehren zu müssen.

Bei dem Anschlag auf den Sitz der Satire-Zeitung in Paris wurden mindestens zwölf Menschen getötet. Mindestens zwei vermummte Männer hatten mit einer Kalaschnikow und einem Raketenwerfer den Sitz der Zeitung angegriffen. "Charlie Hebdo" hatte in der Vergangenheit mehrfach mit provokanten Mohammed-Karikaturen für Schlagzeilen gesorgt.

(xity, AFP)


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