19.11.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Mehr als jedes sechste Kind leidet unter großem Stress

Mehr als jedes sechste Kind leidet unter großem Stress

Ursache oft hoher Erwartungsdruck durch die Eltern

Stress beginnt oft schon im Kinderzimmer: Mehr als jedes sechste Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland leidet unter großem Stress.

Berlin - Zu diesem Ergebnis kommt eine in Berlin vorgestellte Studie der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung. Als Ursache nennen die Experten vor allem den hohen Erwartungsdruck durch die Eltern und den dadurch fehlenden Freiraum für die kindliche Selbstbestimmung. Die Folgen sind enorm: Gestresste Kinder entwickeln demnach Depressionen und Versagensängste und haben ein erheblich erhöhtes Aggressionspotential.

Den Eltern ist dabei oft nicht bewusst, dass sie ihr Kind unter Druck setzen. Rund 87 Prozent glauben der Studie zufolge nicht, ihr Kind zu überfordern. Und etwa 50 Prozent meinen, sie tun alles dafür, um ihr Kind zu fördern.

Insgesamt gaben 18 Prozent der Kinder und 19 Prozent der Jugendlichen an, unter großem Stress zu stehen. Die betroffenen Kinder sind oft wütend oder zornig. Kinder mit hohem Stress leiden außerdem unter Versagensängsten. Knapp die Hälfte hat Angst, die Eltern zu enttäuschen. Auch bei Jugendlichen sind die psychischen Auswirkungen der Studie zufolge immens. Elf Prozent der Jugendlichen mit hohem Stresslevel sind depressiv verstimmt. Fast 14 Prozent fühlen sich als Versager und fast jeder Dritte wählt den freiwilligen sozialen Rückzug.

Kinder reagieren auf großen Stress auch mit körperlichen Symptomen. Sie leiden unter erhöhten Einschlafschwierigkeiten, Kopf- und Bauchschmerzen oder Müdigkeit. "Dies sind klassische Burn-Out-Symptome, die für Eltern wichtige Warnsignale sind", erklärte Studienleiter Holger Ziegler von der Universität Bielefeld.

Der Studie zufolge beeinflussen vor allem zwei Faktoren das Stressempfinden der Kinder und Jugendlichen: die Anzahl und die eigene Entscheidung über ihre Termine. 39 Prozent der Zwölf- bis 16-Jährigen haben demnach an drei oder mehr Tagen pro Woche mindestens einen Termin nach der Schule, wie zum Beispiel Musik-, Fußball oder Schwimmunterricht. Zudem dürfen sie oftmals nicht selbst darüber entscheiden und erleben die Aufgaben daher als Zwang und Belastung. Über 60 Prozent der gestressten Kinder geben an, kaum oder nie nach ihrer Meinung gefragt zu werden.

Auch die Belastung durch Aufgaben im Haushalt ist den Forschern zufolge ein Stressfaktor, vor allem für jene Kinder, die eine Elternrolle übernehmen und beispielsweise Behördengänge erledigen oder sich um die Erziehung der Geschwister kümmern. Für die Studie "Burnout im Kinderzimmer: Wie gestresst sind Kinder und jugendliche in Deutschland" wurden insgesamt 1100 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren sowie deren Eltern befragt.

(xity, AFP)


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