Mehr als halbe Milliarde Euro für Wiederaufbau in Rheinland-Pfalz bewilligt

Ministerpräsidentin Dreyer: "Haben schon viel erreicht"

Anlässlich des bevorstehenden ersten Jahrestags der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz haben Betroffene und Beteiligte des Wiederaufbaus eine vorläufige Bilanz gezogen.

"Zusammen mit den Betroffenen, den Kommunen, dem Landkreis, Freiwilligen und professionellen Helfern und Helferinnen aus der Region und ganz Deutschland haben wir schon viel erreicht", sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Montag laut Redetext bei einer Diskussionsveranstaltung am Nürburgring. "Trauer und Leid werden wir nicht vergessen und richten gleichzeitig unseren Blick nach vorne."

Nach Angaben der Landesregierung wurde im vergangenen Jahr bereits eine halbe Milliarde Euro an Wiederaufbauhilfen für Privatpersonen und Unternehmen bewilligt. Aus dem gemeinsamen Fluthilfefonds von Bund und Ländern stehen für Rheinland-Pfalz insgesamt 15 Milliarden Euro zur Verfügung. "Auch wir wollen, dass die Flutbetroffenen an das Geld kommen, das sie zum Wiederaufbau brauchen, deswegen intensivieren wir die Unterstützung bei der Antragstellung neben Telefonhotlines, Infopoints jetzt auch mit Hausbesuchen", sagte Dreyer.

Von der Naturkatastrophe und ihren Folgen seien insgesamt 95.000 Menschen betroffen, davon rund 42.000 im besonders stark von der Flut verwüsteten Ahrtal. 135 Menschen starben, 766 weitere wurden verletzt. Zwei Menschen werden demnach immer noch vermisst. Allein im Landkreis Ahrweiler mussten nach dem Hochwasser 350.000 Tonnen Abfälle entsorgt werden, was dem Sperrmüllaufkommen von 40 Jahren entsprach. Auch 53.000 Tonnen Schlamm mussten beseitigt werden.

"Es ist viel passiert in diesem Jahr nach der Flutkatastrophe", erklärte Cornelia Weigand (parteilos), Landrätin des Kreises Ahrweiler. "Wir haben Unterstützung von vielen Seiten erhalten, dafür sind wir sehr dankbar - aber die Zerstörung war immens und wir stehen an vielen Stellen noch am Anfang." Um das Ahrtal nachhaltig wieder aufzubauen, brauche es flexible gesetzliche Regelungen. Dafür seien Land und Bund gefragt.

Am 15. Juli 2021 hatte ein durch sintflutartige Regenfälle ausgelöstes verheerendes Hochwasser große Gebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verwüstet, viele Gemeinden wurden zerstört. Im besonders stark betroffenen Ahrtal hinterließen reißende Wassermassen eine 40 Kilometer lange Schneise der Verwüstung. In Nordrhein-Westfalen gab es 48 Tote. Die Parlamente beider Länder setzten Untersuchungsausschüsse ein.

© 2022 AFP