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Massenmord-Beihilfe: Mutmaßlicher Ex-SS-Mann angeklagt

Staatsanwaltschaft Schwerin beschuldigt 94-Jährigen

Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat einen mutmaßlichen ehemaligen SS-Mann aus Vorpommern wegen vorsätzlicher Beihilfe zum Mord in mehr als 3600 Fällen angeklagt.

Schwerin - Das teilte die Behörde in Schwerin mit. Der heute 94 Jahre alte Angeschuldigte war ihrer Darstellung zufolge im Sommer 1944 für einen Monat als SS-Unterscharführer in der SS-Sanitätsdienststaffel des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingesetzt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann vom Massenmord in Auschwitz wusste und diesen unterstützte, indem er als Sanitäter half, die SS-Truppen einsatzfähig zu halten. Er habe sich "in die Lagerorganisation unterstützend eingefügt und damit funktionell an dem einheitlichen Vernichtungsgeschehen mitgewirkt", teilte die Anklagebehörde mit.

Bereits von Oktober 1943 bis Januar 1944 sei der Mann in das Frauenlager in Auschwitz-Birkenau abkommandiert gewesen. Dort habe er unmittelbar an jenem Weg gearbeitet, den Häftlinge zu den Gaskammern nehmen mussten. Ihm kann nach Ansicht der Ermittler nicht entgangen sein, dass die Krematorien unentwegt rauchten und Geruch von verbranntem Fleisch in der Luft lag. Die Staatsanwaltschaft fanden nach eigenen Angaben aber keine Hinweise, dass der Mann an der Selektion von Häftlingen oder an Tötungen direkt beteiligt war.

Der Beschuldigte war den Angaben zufolge 1940 in die Waffen-SS eingetreten und hatte in den Konzentrationslagern Dachau und Neuengamme gearbeitet. 1948 wurde er von einem polnischen Gericht wegen seiner SS-Mitgliedschaft zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Danach kehrte er in seine Heimat zurück und arbeitete bis zur Rente in der Landwirtschaft.

Die Ludwigsburger Zentrale Stelle für die Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen hatte im Oktober 2013 Dokumente über den Beschuldigten an die Justiz in Mecklenburg-Vorpommern geschickt, die daraufhin Ermittlungen einleitete und den Mann für einen Monat in Untersuchungshaft nahm. Zu den Vorwürfen habe er sich in den Vernehmungen "indifferent? geäußert, erklärte die Staatsanwaltschaft. Er wolle von SS-Leuten lediglich gehört haben, dass im KZ Auschwitz-Birkenau "unrechte Dinge" geschahen.

(xity, AFP)


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