29.10.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Linken-Chef fordert Einlenken bei Reparationsforderungen

Linken-Chef fordert Einlenken bei Reparationsforderungen

Debatte um Rückzahlung an Griechenland

Linken-Chef Bernd Riexinger fordert die Bundesregierung auf, von ihrem Nein zu den Reparationsforderungen Griechenlands abzurücken.

Berlin - "Die Zwangsanleihe, die Nazi-Deutschland Griechenland abgepresst hat, muss zurück gezahlt werden", sagte Riexinger der Nachrichtenagentur AFP in Berlin.

Altkanzler Helmut Kohl (CDU) habe 1990 die Rückzahlungen Deutschlands an Griechenland mit "faulen Tricks" verhindert. "Die vermeintliche kollektive Geschichtsvergessenheit der Bundesregierung ist zutiefst beschämend", kritisierte der Linken-Chef.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) wüssten sehr wohl, dass Deutschland bei Griechenland in der Schuld stehe, drückten sich aber vor ihren Verpflichtungen. Völkerrecht verjähre allerdings nicht, sagte Riexinger. "Die Bundesregierung täte gut daran, mit dem zuständigen Parlamentsausschuss der griechischen Regierung zu kooperieren und sich endlich auf den Weg des Dialogs, der Verständigung und des Rechts zu begeben."

Riexinger räumte zugleich ein, dass die Reparationsforderungen Griechenlands ein "unbequemes Thema" seien. Es gehe aber gar nicht darum, die deutschen Steuerzahler mit jahrzehntealten Schulden zu belasten. Die griechische Regierung wolle die Deutschen nicht für etwas verantwortlich machen, was sie nicht verursacht hätten.

Zuvor hatte Griechenland die Reparationsforderungen für die deutsche Besatzungszeit auf 278,7 Milliarden Euro beziffert. Der Staatssekretär für den Haushalt, Dimitris Mardas, sagte während einer Parlamentsdebatte in Athen am Montagabend, seine Beamten hätten diese Summe für die während der Besatzung von 1941 bis 1944 angerichteten Schäden errechnet. Demnach wird allein für den von den Nazis 1942 auferlegten Zwangskredit eine Rückzahlung von 10,3 Milliarden Euro gefordert. Der Rest sei zur Entschädigung von Bürgern und dem Staat, sagte der stellvertretende Finanzminister.

Die griechische Regierung unter der linken Syriza-Partei dringt seit ihrem Amtsantritt im Januar auf weitere Reparationen und spricht von einer "moralischen Frage", die gelöst werden müsse. Aus Sicht der Bundesregierung ist die Frage der Entschädigungen für die deutschen Verbrechen während des Zweiten Weltkrieges aber abschließend geregelt.

(xity, AFP)


Copyright 2019 © Xity Online GmbH