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Linke kritisiert Auftritt Biermanns im Bundestag

Lammert mangelnde Absprache vorgeworfen

Die Linksfraktion im Bundestag hat sich kritisch zu dem geplanten Auftritt des Liedermachers Wolf Biermann in der Gedenkstunde des Parlaments zum 25. Jahrestag des Mauerfalls geäußert.

Berlin - Die Parlamentsgeschäftsführerin der Linken, Petra Sitte, warf Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) deswegen mangelnde Absprachen vor. "Gerade bei einer derart wichtigen Gedenkstunde wäre es richtig gewesen, alle Fraktionen in die Auswahl eines musikalischen Gastes mit einzubeziehen", sagte Sitte "Spiegel Online".

Sitte wies zugleich Spekulationen zurück, dass Abgeordnete der Linken den Auftritt des DDR-Kritikers Biermann stören könnten. "Es gibt noch immer Menschen, die der DDR hinterhertrauern und sie verklären. Die sitzen aber nicht in meiner Fraktion", sagte die Linken-Politikerin. Allerdings habe auch Biermann eine Verantwortung, dass das Gedenken zum Mauerfall gelinge, mahnte Sitte: "Er sollte die Würde der Feierstunde nicht dazu nutzen, um einzelne Parteien zu kritisieren."

Der niedersächsische Linken-Abgeordnete und frühere Biermann-Manager Dieter Dehm kündigte in "Spiegel Online" an, er werde trotz seines Streits mit dem Liedermacher an der Feierstunde teilnehmen. "Natürlich bin ich da", sagte Dehm. Schließlich sei Biermann bei allen Differenzen "ein großer Künstler". Dehm wird vorgeworfen, Biermann nach dessen Ausbürgerung aus der DDR im Auftrag des DDR-Staatssicherheitsdienstes ausgehorcht zu haben.

Dehm bestreitet aber, als Spion für die Stasi gearbeitet zu haben. Im Vorfeld der Gedenkstunde forderte er Biermann in einem offenen Brief auf, seine Vorwürfe gegen ihn zu belegen. Auch äußerte Dehm den Wunsch, der Liedermacher möge im Bundestag das Lied "So oder so - die Erde wird rot" singen, in dem er einst für eine nicht-stalinistische kommunistische Partei geworben hatte.

Der heute 77-jährige Biermann war 1976 wegen systemkritischer Gedichte und Lieder aus der DDR ausgebürgert worden. In der Gedenkstunde des Bundestages am Freitag sollen neben seinem Auftritt Redner aller Fraktionen aus persönlicher Sicht ihr Erleben des Mauerfalls schildern.

(xity, AFP)


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