10.12.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Letzte Neuproduktion der Spielzeit

Letzte Neuproduktion der Spielzeit

Immo Karaman inszeniert "Der feurige Engel"

Premiere für die letzte Neuproduktion der Spielzeit am Samstag, 13. Juni 2015, um 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf.

Düsseldorf - "Der feurige Engel" feiert als letzte Neuproduktion der aktuellen Spielzeit Premiere im Opernhaus Düsseldorf. Fest steht schon jetzt: Die Oper des russischen Komponisten Sergej Prokofjew ist nichts für schwache Nerven. Sie erzählt die Schauergeschichte einer von Dämonen verfolgten Frau, die mit Besessenheit einen Engel liebt. Ruprecht wird Zeuge von Renatas mystischen Anfällen und gerät in den Bann der ekstatischen Frau. Gemeinsam mit ihr begibt er sich auf eine abenteuerliche Suche nach der irdischen Verkörperung ihres Phantoms.

Um Teufelsspuk, Mystizismus, erotische Obsessionen und Wahnsinn kreist Sergej Prokofjews Oper "Der feurige Engel". Heute würde man darin den Stoff für Mystery Stories oder Psychothriller vermuten. Doch der 1908 erschienene Roman von Walerie Brjussow führt in die Welt der russischen Symbolisten und ihrer grenzüberschreitenden Obsessionen. Die "orgiastische Finsternis" des Romans inspirierte Prokofjew zu einer Musik, die zu dem Unbändig­sten, Emphatischsten und Eindringlichsten gehört, was er je komponiert hat. Zur Aufführung kommt sie mit den Düsseldorfer Symphonikern, einem hochinspirierten Ensemble und dem Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Wen-Pin Chien. Die Hauptpartien singen Boris Statsenko (Ruprecht) und Svetlana Sozdateleva (Renata), die für die eindrucksvolle Gestaltung dieser Partie an der Komischen Oper Berlin für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2014 nominiert wurde.

Dass ein Stück, das um Wahn, Vision und Verrücktheit kreist, in der Regie von Immo Karaman bestens aufgehoben ist, weiß jeder, der seine Inszenierungen von Benjamin Brittens "The turn of the screw" und "Death in Venice" an der Deutschen Oper am Rhein gesehen hat. Meisterhaft versteht sich Karaman auf symbolhaft verrätselte Opernstoffe des 20. Jahrhunderts. Mit hoher Psychologisierungskunst leuchtet er in deren Tiefenschichten, ohne ihr Geheimnis preis zu geben.

Während Brujssows Roman im Mittelalter spielt, verortet das Regieteam den "Fall Renata" in der Entstehungszeit der Oper Mitte der 50er Jahre. "Im Mittelalter hätte man eine Frau wie Renata als Hexe verbrannt. Heute würde man bei ihr aufgestaute und unterdrückte Triebenergien diagnostizieren, die zu Wahnvorstellungen und damit zu einem Krankheitszustand führen, den man 'behandeln' muss", sagt Immo Karaman. Folglich begegnet man den Protagonisten in einer Heilanstalt, in der Renata dem Tabu der Sexualität sinnliche Energie entgegensetzt und sich so gegen Apathie, Sprachlosigkeit und Entfremdung in einer gottlosen Gesellschaft wehrt. Dadurch wird sie zu einem Störfaktor und denjenigen, die sie zu beurteilen haben, noch rätselhafter. Durch Renata entsteht ein Labyrinth, in dem auch die sie umgebenden Menschen, die sie gleichermaßen tatentschlossen wie verrückt erleben, die Orientierung verlieren.

Doch Karaman ist weit davon entfernt, den "Fall Renata" endgültig zu lösen. Ihm liegt vielmehr daran, das Rätsel­hafte und Unerklärbare bestehen zu lassen. Dem Zuschauer mutet er dabei einen permanenten Perspektivwechsel zu: "Mit seiner Empathie steht er mal auf Renatas Seite und dann wieder auf der Seite des sich vergebens um sie bemühenden Ruprecht. Und er muss sich fragen: Welcher Krieg wird hier eigentlich geführt: der zwischen Mann und Frau, zwischen Gott und Teufel, zwischen Wissenschaft und Religion?"


Tags:
  • Neuproduktion
  • oper_am_rhein
  • der_feurige_engel

Copyright 2019 © Xity Online GmbH