22.10.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Lebensmittel wachsen im Botanischen Garten

Lebensmittel wachsen im Botanischen Garten

Pflanzen wecken Erinnerungen an vergangene Tage

Der Botanische Garten im Schönwasserpark gilt als Kleinod. Zahlreiche Besucher bestaunen die farbenprächtige Vegetation, die sich, egal zu welcher Jahreszeit, hier offenbart.

Krefeld - Was nicht jeder weiß: Zwischen Stein- und Rosengarten, neben dem Gewächshaus oder dem Insektenhotel, wachsen auch zahlreiche Nutzpflanzen, die heute als Lebensmittel dienen. Oder früheren Generationen gedient haben.

Wie zum Beispiel der "Stolze Heinrich“. Das Gewächs wird häufig als Unkraut wahrgenommen, weil es auch an Halden und Kippen vorkommt. Frühere Generationen nutzten es aber wie wir heute den Spinat. Direkt neben dem "Stolzen Heinrich“ wächst der Rhabarber, dessen Blattstiele unter anderem zu Kompott verarbeitet werden können. "Vielen ist er zu sauer, ich liebe ihn“, sagt Birgit Loy, Leiterin des Botanischen Gartens. Auch ein sogenanntes "Pseudo-Getreide“ findet sich hier: der Buchweizen, genau wie der Rhabarber aus der Familie der Knöterichgewächse. Die Kulturpflanze ist bestens für glutenfreie Ernährung geeignet, dient aber auch als Zutat für Panas oder den in Nordamerika geschätzten Buchweizenpfannkuchen. Seinen Namen verdankt die Pflanze den bucheckernförmigen Früchten, die aber keine Eigenbackfähigkeit, wie der Weizen, haben.

Nur einige Meter weiter wachsen verschiedene Bohnensorten, darunter auch Sojabohnen. "Für Vegetarier sind sie sehr wichtig, da sie einen hohen Eiweißanteil haben“, so Loy, die an dieser Stelle auch ein kleines Experiment durchführt. Erstmals hat sie die Erdnusspflanze hier gepflanzt, die – für viele nicht bekannt – keine Nuss, sondern auch eine Hülsenfrucht ist. "Sie schmeckt im frühen Stadium sogar so wie eine Bohne.“ Ihren Namen verdankt sie dem Umstand, dass die Früchte in der Erde wachsen. Nur einen Steinwurf weiter stehen Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Tabak sowie ein großer und bunter Blühstreifen mit verschiedenen Getreidearten wie Weizen, Hafer, Roggen und Dinkel.

Ein echter Hingucker ist die Bitterorange, auch Pomeranze genannt. Der große Baum bildet orangenähnliche Früchte, die aber deutlich bitterer und auch kleiner sind. Sie werden daher unter anderem für Marmelade genutzt. Schalen und Saft werden aber auch für die Herstellung des Likörs Curaçao und von Bitterorangenlimonade benötigt. Auch in der Parfümerie wird die Bitterorange verwendet. Direkt hinter ihr steht im Botanischen Garten ein mächtiger Araukarie, auch unter dem Namen Affenschwanzbaum bekannt. Seine nährstoffreichen Früchte, die piñones ("Pinienkerne“), ähneln einer Mandel und schmecken auch ähnlich. Mais und Hirse wachsen wenige Meter weiter, ebenso wie die Wegwarte – älteren Generationen als Bestandteil des Kaffeeersatzes Muckefuck bekannt. Die Wildform wird aber auch als Salat genutzt. Das immer beliebter werdende Pseudogetreide Amarant steht ebenfalls hier. Es zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit und diente Azteken, Inka und Maya als Hauptnahrungsmittel.

Heimisch wird es dann im Bauerngarten. Der Wildkohl bildet quasi den Ursprung für die weiteren Kohlarten, die hier wachsen: Rotkohl, Grünkohl, Kohlrabi, Rosenkohl, Broccoli, Weißkohl, Spitzkohl, Blumenkohl und der in Italien beliebte Palmkohl stehen auf wenige Quadratmetern dicht beieinander. Fehlen dürfen hier natürlich auch nicht die Möhren, Zwiebeln und Rote Beete. Erinnerungen weckt dagegen Stielmus, das immer seltener auf den Tisch kommt. Im benachtbarten Apothekergarten steht der Salbei in voller Blüte. Seine Nutzungsarten sind vielfältig, zumeist wird es als Gewürz und für medizinische Zwecke genutzt. Auch im Bereich der Teiche im Botanischen Garten zeigen sich einige Lebensmittel, darunter Reis oder die Wassernuss, die früher gegessen wurde, heute aber fast nur noch als Viehfutter genutzt wird. Schatten spendet dagegen der Feigenbaum, dessen köstliche Früchte gerade kurz vor der Reife stehen.


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