19.08.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Langzeitarbeitslosigkeit in Krefeld erneut hoch

Langzeitarbeitslosigkeit in Krefeld erneut hoch

DGB fordert mehr Investition in Berufsabschlüsse

Trotz der allgemein guten Entwicklung am Arbeitsmarkt ist die Arbeitslosigkeit und im Besonderen die Langzeitarbeitslosigkeit in Krefeld nach wie vor hoch.

Krefeld - Die Arbeitslosenquote in Krefeld steht mit 10,1% im Juli 6,8% in NRW gegenüber. Bei der Langzeitarbeitslosigkeit steht eine Quote von rund 41% in NRW einer Quote von rund 48% in Krefeld gegenüber (Anteil in % an der Zahl aller Arbeitslosen). Im Juli 2018  waren in Krefeld 12.240 Menschen arbeitslos, davon 5.853 langzeitarbeitslos. 

Das Fehlen eines beruflichen Abschlusses ist das größte Risiko, langzeitarbeitslos zu werden bzw. zu bleiben. „Um nicht bei der rasanten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt eine große Gruppe von Menschen zu verlieren, muss das Thema Qualifizierung noch viel stärker als bisher in den Fokus genommen werden“, sagt Philipp Einfalt, Vorsitzender des DGB-Stadtverbands Krefeld.

Dass Ungelernte überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen sind, zeigt sich daran, dass knapp zwei Drittel der Arbeitslosen keinen Berufsabschluss und somit deutlich schlechtere Chancen auf eine erfolgreiche Vermittlung haben. Bei den Langzeitarbeitslosen beträgt der Anteil ohne Berufsabschluss schon fast 70 Prozent. Das Risiko arbeitslos zu werden, ist ohne Berufsabschluss in Krefeld aktuell 6mal höher als mit Berufsabschluss.

„Besonders dramatisch ist der hohe Anteil der Langzeitarbeitslosen ohne Berufsabschluss in der Altersgruppe der unter 35-Jährigen“, meint Philipp Einfalt, „denn sie haben ihr gesamtes Berufsleben noch vor sich“. Immerhin waren im letzten Jahr von 4011 Langzeitarbeitslosen ohne Berufsabschluss allein 907 jünger als 35 Jahre. Davon waren 896, also 98,8 Prozent in Betreuung des Jobcenters.

„Die Förderangebote, die zu einem beruflichen Abschluss führen, müssen deutlich verstärkt und ausreichend finanziell ausgestattet werden“, sagt Philipp Einfalt. „Wir müssen hier in Krefeld die vom DGB angestoßene Initiative „Zukunftsstarter“ noch viel stärker nutzen, um gerade diese jungen Menschen für eine Ausbildung bzw. eine abschlussorientierte Weiterbildung zu gewinnen“. Mit dem Programm der „Zweiten Chance“ können auch junge Menschen, die älter als 25 Jahre sind, noch einen Abschluss nachholen, dies wird finanziell gefördert.

Hier sind vor allem die Jobcenter gefragt. Doch die Jobcenter sind nach wie vor unterfinanziert. Der Eingliederungstitel sollte deswegen um mindestens eine Milliarde Euro aufgestockt werden, fordert der DGB. Darüber hinaus muss die Zeit der Umschulung finanziell besser abgesichert werden. Einfalt: „Es kann nicht sein, dass eine Umschulung oder eine abschlussorientierte Qualifizierung weniger honoriert wird, als ein Ein-Euro-Job.“ Der DGB schlägt deshalb die Einführung eines fortlaufenden monatlichen Weiterbildungsgeldes vor, welches auf alle anderen Bezüge anrechnungsfrei gezahlt werden soll, um die Rahmenbedingungen für den nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses deutlich zu verbessern. „Dieses Geld ist gut angelegt, mit einem Berufsabschluss steigt die Wahrscheinlichkeit auf langfristige Integration deutlich.


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