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Kunstmuseen Krefeld: Living in the Material World

Ausstellung geht bis zum 10. August 2014

Die Ausstellung "Living in the Material World" der Kunstmuseen Krefeld entpuppt sich in diversen Positionen als Mogelpackung: Nicht alles ist, wie es scheint.

Krefeld - Die markanteste Vortäuschung falscher Tatsachen liegt auf der Terrassenebene von Haus Lange. Im direkten Kontrast zu der eleganten Backstein-Villa des Architekten Ludwig Mies von der Rohe lagern dort wie in einem Bauhof drei verschmutzte Betonquader. Die Arbeiten "Volume, 2012“ von David Jablonoski, Jahrgang 1982, sind jedoch keine tonnenschweren Bausünden, sondern vergleichsweise leichte Styroporblöcke. Auf das verblüffende Spiel mit dem Material haben sich in Haus Esters und Haus Lange zwölf internationale Künstler eingelassen. Die von Dr. Sylvia Martin, stellvertretende Leiterin der Kunstmuseen Krefeld, kuratierte Ausstellung irritiert, überrascht und erstaunt die Besucher. "Alle Künstler vereint die Obsession für das Material“, so Martin. Sie knüpft mit "Living in the Material World“ an die avantgardistische Tradition der Kunstmuseen Krefeld an, junge, provokante und kontroverse Positionen zu zeigen.

In Krefeld wurde 1969 in zweiter Station die legendäre Ausstellung "When Attitudes become Form“ gezeigt. Mit ihr manifestierte sich der "material turn“ des 20. Jahrhunderts, mit dem jeder Stoff, auch der billigste und unscheinbarste, Kunstwürdigkeit erlangte. Diese Revolution sei natürlich durch die heute beteiligten Künstler nicht zu wiederholen. "Was sie machen, ist eine Neuprogrammierung“, sagt Martin. Das Material wie Styropor und Papier, Glas und Beton, Holz und Textilien, Keramik und Kunststoffe werde zum Impulsgeber für Prozesse, die mit der Entstehung des Werkes in Verbindung stehen. Diese handwerklichen Prozesse

Seite 3werden vorab unter anderem durch Zeichnen, Rechnen und Analyse geprägt. Eindrucksvoll vor Augen führt das die spanische Künstlerin Lara Almarcegui, Jahrgang 1972, indem sie für Haus Lange eine Liste der im Bau verwendeten Materialien mit ihren Gewichten auf einer Wand fixierte. Damit bricht sie die Form des Hauses auf seine Substanz wieder herunter.

Der in Düsseldorf lebende Bildhauer Markus Karstiess, Jahrgang 1971, präsentiert mit seiner 20-teiligen Installation "Boxes, 2013, 2014“ eine Arbeit aus Ton und Glas. Gebrauchte Pappkartons füllte er mit Ton aus, nahm deren Inneres ab, was er dann wiederum mit zerbrochenem Glas bestückte. Beides brannte er. Auf diese Weise entstanden teils filigrane Werke, wie hauchdünne, gläserne Luftblasen, die den Augenblick des Brenn-Endes festhalten. Dieses Ergebnis seines Schaffens bestimmt Karstiess nicht, es hat einen zufälligen Charakter. Er stellt mit seiner Installation "Boxes, 2013, 2014“ zudem Bezüge nach Krefeld her: Die beziehen sich durch sein verwendetes Regal auf die "Barraque D´Dull Odde“ (1961-1967) von Joseph Beuys im Kaiser-Wilhelm-Museum und im Holz auf die Innenausstattung von Haus Esters.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (deutsch/englisch, circa 164 Seiten) im Snoeck Verlag mit ausführlichen Texten zu den einzelnen Werken, Kommentaren einiger Künstler sowie Beiträgen von Gunnar Schmidt, Robert Fleck und Sylvia Martin. Er kostet 20 Euro in den Museen, 28,80 Euro im Buchhandel. Ab 6. Dezember wird die Ausstellung in der Innsbrucker Galerie im Taxispalais gezeigt. Die Museen Haus Lange und Haus Esters öffnen Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Weitere Informationen sowie Sonderöffnungszeiten an Feiertagen stehen im Internet unter www.kunstmuseenkrefeld.de.


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