Kunst im Dezernat und für alle

Jens Ullrich „Bilder ohne Geld“

Etwas Kleister, ein Tapezierpinsel und los geht es. Beim Anbringen der Kunstwerke von Jens Ullrich legt Christiane Schüßler, in ihren Räumen direkt selbst mit Hand an.

Mönchengladbach - Etwas Kleister, ein Tapezierpinsel und los geht es. Beim Anbringen der Kunstwerke von Jens Ullrich legt die Dezernentin für Bildung, Kultur und Sport, Christiane Schüßler, in ihren Räumen direkt selbst mit Hand an. Sie hat sich drei Werke des Künstlers ausgesucht, die nun eine Art Wartebereich vor den Büroräumen des Dezernats schmücken. „An dieser Stelle sollen jetzt und in Zukunft Dinge von jungen oder jung gebliebenen Menschen zu sehen sein. Und als die Leiterin des Museums Abteiberg, Susanne Titz, mir von diesem Projekt berichtet hat, fand ich das sofort spannend und einen tollen Start.“ Denn der Künstler Jens Ullrich bietet „Bilder ohne Geld“: „Es hat sich einfach so wiedersinnig angefühlt, dass ich meine Kunst, die ich selbst in Form von Fotos digitalisiert habe, künstlich begrenze und sie somit nur für wenige Menschen zugänglich mache.“

Mit seiner Idee, diese Werke allen zugänglich zu machen, hat er sich somit aus für ihn empfundenen Zwängen des Kunstmarktes entzogen und Freiheit gewonnen: „Es geht nicht mehr darum, ob am Ende eine Galerie da ist, die das Werk ausstellt und ob es letztlich Menschen gibt, die es kaufen.“ Seine Werke sind nun im Vorlagenbuch „Bilder ohne Geld“, das kürzlich im Verlag von Franz und Walther König erschienen ist, zu finden. Allerdings ist das Buch nicht überall erhältlich. Es ist in öffentlichen Bibliotheken oder an anderen Auslageorten zu finden. Wer sich die Motive aus dem Buch in sein Zuhause oder in die berufliche Umgebung holen möchte, zum Beispiel ins Büro, findet in ihm eine einfache Anleitung und dreihundert Scanvorlagen für den Druck von großflächigen Wandbildern, wie sie in den vergangenen Jahren in der Tate Modern, der Hamburger Kunsthalle, der Schirn, im ZKM, im Museum Abteiberg und an vielen anderen Orten weltweit gezeigt wurden.

Mit diesem Projekt wirft Ullrich auch eine generelle Frage auf: Was ist Kunst wert? Beziehungsweise, welchen anderen Wert kann Kunst erhalten als einen finanziellen? „Unter anderem kann ein ausgewähltes Motiv eine besondere Bedeutung und damit einen besonderen Wert für den Menschen haben, der dies bei sich anbringt. Und alleine dadurch, dass man selbst aktiv etwas machen muss, um das Motiv auszudrucken und zu tapezieren, steckt ja auch eine eigene Leistung als Wert darin“, beschreibt Ullrich zwei mögliche, aber nicht abschließende Antworten auf diese Frage.

„Ich fände es schön, wenn wir bei uns in der Verwaltung, aber auch an vielen anderen Stellen in der Stadt Menschen finden, die es uns gleich tun“, sagt Schüßler. So feiert das Festival POP Paradiso vom 23. bis 26. Juni 40 Jahre Museum Abteiberg und lädt alle ein, an der demokratischen Kunstkampagne „Bilder ohne Geld“ des Künstlers Jens Ullrich teilzuhaben. Während des Festivals betreut der Künstler einige Tage lang eine Werkstatt im Museum, in der alle, die interessiert sind, eine anschauliche Anleitung zum Scannen und Tapezieren der „Bilder ohne Geld“ für die eigenen vier Wände erhalten können.