Kritik an neuem Kostenanstieg bei Arzneimittelausgaben

Experten sehen mehrere Milliarden Euro Einsparpotenzial

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Arzneimittel steigen weiter.

Berlin - Im vergangenen Jahr gaben die Kassen insgesamt 32,1 Milliarden Euro für Arzneien aus - das waren 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus dem neuen Arzneiverordnungs-Report hervorgeht. Vor allem patentgeschützte Arzneimittel seien in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern immer noch zu teuer, kritisierte Ulrich Schwabe, Herausgeber des Reports.

Insgesamt bezifferte der Report das Einsparpotenzial bei Arzneimitteln auf mehr als 4,5 Milliarden Euro. Allein bei den teuren patentgeschützten Arzneien gebe es Einsparpotenziale von zwei Milliarden Euro, erklärte Schwabe. Sie seien in Deutschland viel teurer als in anderen Ländern.

Als positiv wertete der Report hingegen, dass neu eingeführte Arneimittel im europäischen Vergleich 2013 keine nennenswerten Preisunterschiede mehr zeigten. Dies sei Folge der 2010 gesetzlich eingeführten Nutzenbewertung. Bei den 25 umsatzstärksten Arzneimitteln, deren Zusatznutzen überprüft wurde, konnten die ausgehandelten Erstattungspreise demnach durchschnittlich um 23 Prozent gesenkt werden. Die Preise für neue Arzneimittel seien damit "nicht mehr höher als in anderen europäischen Ländern", betonte Schwabe.

Das mit dem Arzneimittelgesetz AMNOG angepeilte Einsparziel von rund zwei Milliarden Euro jährlich wird dem Report zufolge dennoch verfehlt. Die Einsparungen durch Erstattungsbeträge beliefen sich 2013 demnach nur auf 150 Millionen Euro.

Schwabe kritisierte zudem die inzwischen wieder abgeschaffte Bewertung von Arzneimitteln, die bereits seit längerem auf dem Markt sind. Zudem habe die Koalition den erhöhten Abschlag, den Hersteller zeitweise auf patentgeschützte Arzneien zahlen mussten, nicht fortgeführt. Dadurch komme auf die gesetzliche Krankenversicherung "ein weiterer Kostenschub" von rund einer Milliarde Euro zu.

Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) betonte hingegen, die Bewertung von Arzneimitteln im sogenannten Bestandsmarkt sei "mit vielen rechtlichen, methodischen und administrativen Problemen verbunden". Der Gesetzgeber habe die Bewertung dieser Arzneien daher zurecht wieder abgeschafft.

Für den Report, der in diesem Jahr bereits zum 30. Mal herausgegeben wurde, wurden insgesamt 819 Millionen Kassenrezepte ausgewertet.

(xity, AFP)