Krefelder Stadtgarten erstrahlt in neuem Glanz

Festakt zur Wiedereröffnung

Nach rund einjähriger Sanierung wurde der Krefelder Stadtgarten jetzt in einem Festakt von Oberbürgermeister Frank Meyer feierlich wiedereröffnet.

Krefeld - Das Klarinettenquartett der Musikschule sorgte für einen stimmungsvollen Beginn am restaurierten Musikpavillon an der Hauptachse. "Ich wohne in der Nachbarschaft und weiß daher um seine Wichtigkeit für die Anwohner", sagte Meyer. "Auch ich nutze ihn selber regelmäßig. Mal, um einfach nur hindurch zu schlenden, mal um ein wenig Luft zu schnappen. Er ist einfach ein grünes Kleinod." Meyer bedankte sich bei allen Beteiligten und auch bei der Krefelder Baudenkmalstiftung, die sich maßgeblich für den Erhalt des Pavillons einsetze.

Mit 4,4 Hektar Fläche ist der Stadtgarten neben dem Kaiser-Friedrich-Hain und den Krefelder Wällen die größte innerstädtische Grünfläche. Der Park entstand ab 1814 als erster kommunaler Friedhof vor den Toren der Stadt. Schon bald nach seiner Einweihung stellte sich heraus, dass er für die rasch wachsende Bevölkerung den Bedarf als Begräbnisplatz nicht erfüllen konnte. Deshalb stellte man im Jahr 1867 die Bestattungen hier ein, 1879 genehmigte die Stadtverordnetenversammlung den Umbau zur öffentlichen Parkanlage. Dabei bezog man die Lindenalleen sowie etliche Denkmäler und Grabsteine aus der Friedhofsanlage in die Parkgestaltung mit ein. Auch heute findet man hier noch Grabsteine der Familien de Greiff, Schumacher und von Loevenich. Ein Parkrestaurant, das "Kurhaus", ein Musikpavillon, in dem öffentliche Konzerte abgehalten wurden, sowie ein großer Springbrunnen und ein Rosengarten waren weitere Anziehungspunkte in dem Park. Gehobene Wohnbebauung entstand an der Steinstraße mit "Blick in den Park". Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kurhaus abgerissen und stattdessen die Prinz-Ferdinand-Schule errichtet. Rosengarten und Sommerblumenflor fielen dem Sparzwang zum Opfer. Anfang der 1970er-Jahre wurde der Musikpavillon modernisiert, sein Sockel dabei vergrößert. 1998 stellte man den Park wegen seiner stadtgeschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung unter Denkmalschutz.

Unterschiedliche Gruppen nutzten den Park für die Erholung und Aufenthalt im Freien. Dieser hohe Nutzungsdruck führte dazu, dass der Park von seiner Substanz und Qualität verlor und unattraktiver wurde. Dann aber nahm das Interesse wieder zu. Das Kulturbüro organisierte 2010 im Rahmen der Criminale eine Lesung im Musikpavillon und ließ den Stadtgarten zum "Tatort" in der Niederrheinischen Krimiroute der Gartenkunst werden. Anwohner fanden sich zur Nachbarschaftsinitiative ?Stadtgarten Freunde" zusammen. Sie setzen sich in Aktionen wie einem Nachbarschaftsfrühstück im Musikpavillon, Ostereiersammeln im Park oder bei gemeinsamen Kronkorken- und Müllsammeln für eine Verbesserung des Erscheinungsbildes durch Eigeninitiative ein.

Im Gutachten zum Städtebaulichen Entwicklungsprogramm "Stadtumbau West-Innenstadt Krefeld" erkannte man 2009 die notwendige bauliche und gärtnerische Sanierung des Stadtgartens und schlug ihn als "Initialprojekt für die städtebauliche Sanierung des Stadtviertels Rund um Liebfrauen/Am Stadtgarten" vor. Ein Moderationsverfahren mit Vereinen, Bürgern und Vertretern aus Politik und Verwaltung führte die Verwaltung 2012 durch. Die dabei gesammelten Ideen und Anregungen arbeitete das Landschaftsarchitekturbüro in einen Entwurf ein, der die Belange der denkmalgeschützten Parkanlage zu berücksichtigen hatte, aber auch die Anforderungen an eine stark frequentierte innerstädtische Grünanlage abdecken sollte. Bezirksvorsteher Klaus-Dieter Menzer lobte die Beteiligung der Bürgerschaft. "Wir hatten viel mit Kritikern zu tun, die wir sicherlich auch nicht komplett überzeugen konnten. Aber wir haben die Kritikpunkte ernstgenommen und sie mit in die Überlegungen einbezogen." Landschaftsarchitektin Ina Bimberg erinnerte gleichzeitig an die Vorgaben zur Sanierung. "Wir mussten und wollten einen klaren Bezug zur Geschichte herstellen, dazu gehörte unter anderem, die Hauptwege zu betonen und dauerhaft nutzbar zu machen sowie historische Elemente herauszuarbeiten. Aufgabe war natürlich auch, die Aufenthaltsqualität zu steigern. Der Stadtgarten schafft den Übergang zwischen Stadt und Sonne."

Das formale Grundgerüst mit geraden Baumalleen wurde beibehalten. Durch Roden von Strauchgruppen in Innenbereich und am Rand öffnet sich der Park zu den ruhigen Wohnstraßen hin und präsentiert sich heute als offene Parkanlage. Zusätzlich entstanden an den Nord- und Südseiten einladende, platzartige Eingangsbereiche, die weitere Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Der Kinderspielplatz wurde von der belebten St.-Anton-Straße in einen ruhigeren Randbereich verlegt und komplett neu gestaltet. Die alte Toranlage an der St.-Anton-Straße konnte saniert und wieder geöffnet werden. Mit neuer Beleuchtung und festem Asphalt versehen ist die zentrale Hauptachse mit ihren Plätzen aufgewertet worden. Der Brunnenplatz wurde mit Bänken und abwechslungsreicher Staudenpflanzung ergänzt. Geschnittene Hecken formen den Platz am Musikpavillon jetzt zu einem klaren Rundplatz mit Bänken. Damit bietet der denkmalpflegerisch restaurierte Musikpavillon einen Kristallisationspunkt für kleine Veranstaltungen und Aktionen zur Belebung des Parks. Der kleine Rundplatz im Süden fasst die hier sternförmig zusammenlaufenden Wege zusammen und bildet ein Umfeld für die hier aufgestellte Carl-Wilhelm-Büste und die Grabmalsäule der Familie de Greiff. Es wurden 5240 Stauden und 12.500 Blumenzwiebel gesetzt, 360 laufende Meter Hecken angelegt, acht Bäume gepflanzt sowie einzelne Blütensträucher ergänzt. Saniert wurden 2900 Quadratmeter Wegefläche, dazu 24 neue Bänke angeschafft und aufgestellt. Der Musikpavillon wurde in seine ursprüngliche Form gebracht. Denkmalpflegerische Restaurierungsarbeiten brachten den Originalsockel hinter einer Waschbetonverkleidung wieder zum Vorschein. Bei der Freilegung des Original-Terrazzobelags wurde die ursprüngliche Deckenbemalung unter weißer Tünche entdeckt. Die Krefelder Baudenkmalstiftung unterstützte die Restaurierung des Musikpavillons mit 10.000 Euro.

Die gesamten Bau- und Planungskosten betrugen knapp 1.083.000 Euro. Davon wurden 80 Prozent aus Fördermitteln des Landesprogramms "Stadtumbau West" finanziert. Der Eigenanteil der Stadt Krefeld betrug 216.000 Euro. Um die heute wieder hergestellte Qualität des Stadtgartens zu erhalten, ist eine kontinuierliche Pflege und Unterhaltung unbedingt notwendig. Neben der Kommune ist zukünftig auch bürgerschaftliches Engagement gefragt. Ein Anfang ist gemacht: Die "Stadtgarten Freunde" haben sich bereit erklärt, im kommenden Jahr die Beete am Brunnenplatz mit Unterstützung des Fachbereichs Grünflächen zu pflegen. Spielplatzpaten betreuen ehrenamtlich das zusätzliche Spielangebot im neu aufgestellten Spielplatzcontainer.