21.02.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> "Krefelder reden" über Geld

"Krefelder reden" über Geld

Wo Geld fließt, verbuddelt wird und hemmt

Dr. Birgit Roos, Vorsitzende der Sparkasse Krefeld, und Kerstin Abraham, Vorstandsmitglied der Stadtwerke Krefeld, haben das vermeintliche Tabuthema "Geld" bei der Veranstaltung "Krefelder reden" diskutiert.

Krefeld - Die neunte Auflage der Reihe im Glasfoyer des Stadttheaters wurde vor rund 150 Zuschauern von Professor Hans-Hennig von Grünberg, Präsident der Hochschule Niederrhein, moderiert.

Er gab auch den Startschuss in den interessanten Abend. Von Grünberg riss verschiedene Komplexe aus der Wissenschaft an, darunter auch das Verhältnis von Geld und Glück. Dass es in Deutschland tabu sei, über Gehälter zu sprechen, liege an unserem christlichen Wertesystem. "In anderen Ländern ist das ganz anders.“ Wie sehr Geld die Wissenschaft hemmt, zeigte er anhand der Jagd nach Drittmitteln auf. "Es wird häufig zunächst nach lukrativen Fördertöpfen geschielt und darauf basierend geforscht. Eigentlich müsste es doch genau anders herum sein. Drittmittel sind kein brauchbares Leistungskriterium.“

Kerstin Abraham, Vorstandsmitglied der Stadtwerke Krefeld, stellte als Neu- Krefelderin – sie lebt nun zwei Jahre hier – zunächst fest, dass man in der Samt- und Seidenstadt zumeist über Geld rede, das man nicht habe. Das sei bei ihr stets anders gewesen. Schon als junges Mädchen habe sie sich zu ihrem Taschengeld etwas hinzu verdient, schließlich wollten die Hobbys Tennis und Lesen finanziert werden. "Eine Saite kostete damals 50 Mark, das war eine Menge Geld für mich als Schülerin. Das eigene Geld wurde nach Abitur, Berufsausbildung und Studium während des beruflichen Werdegangs zwar immer mehr, dafür habe ich aber auch leider immer wenige Zeit, es auszugeben.“ Bis heute ist Abraham dem weißen Sport treu geblieben, dem gelben Filzball jagt sie beim HTC Blau-Weiß im Stadtwald hinterher, wo sie auch bei Joggingrunden anzutreffen ist. "Als ich das Angebot hatte, nach Krefeld zu kommen, habe ich mich im Internet erkundigt und viel Positives über die Stadt erfahren. Der Reichtum, der einst hier herrschte und über den sogar Napoleon staunte, ist noch immer deutlich zu sehen, zum Beispiel an den vielen Grünanlagen, die als Schenkungen an die Stadt gingen. So etwas muss man schätzen, was viel zu wenige machen, denn Krefelder verkaufen ihre Stadt häufig unter Wert. Auch die Technik war in Krefeld immer fortschrittlich, hier gab es sehr früh fließendes Trinkwasser, eine elektrische Straßenbahn und eine Versorgung mit Gas und Elektrizität. Wir als Stadtwerke sind bemüht, dies auf hohem Niveau weiter zu gewährleisten.“

Rund 30 bis 40 Millionen Euro werden jährlich "verbuddelt“, das heißt, in den Leitungsbau investiert. Rund eine Million wird gespendet oder gesponsert, zudem leisten sich die Stadtwerke den "Blauen Enzian“ und den Schluff. Abraham verzichtet in ihrem Vortrag aber auch nicht auf unangenehme Themen in Sachen Geld, wie zum Beispiel Kinderarmut oder den Gehalts-Unterschied zwischen Männern und Frauen. "Laut EU-Kommission arbeiten Frauen dadurch 59 Tage im Jahr unentgeltlich. Mich würde es freuen, wenn viel mehr Frauen den Mut haben, das Gehalt einzufordern, das ihnen auch zusteht“.

Birgit Roos, Vorsitzende der Sparkasse, kennt die Seidenstadt seit ihrer lebhaften Kindheit. Mit vier Geschwistern wuchs sie in Meerbusch-Nierst auf und machte ihr Abitur an der Marienschule in Krefeld. "Ich bin immer an der Rheinstraße mit der Bahn angekommen. Damals habe ich es mir natürlich nicht träumen lassen, einmal vis-a-vis zu arbeiten.“ Auch sie verdiente sich früh schon etwas dazu und arbeitete als Postbotin. In ihrem Vortrag zeigte sie auf, wie eine Investment-Bank wie ihr einstiger Arbeitgeber, die West LB, arbeitete und was der Unterschied zu einer öffentlich-rechtlichen Bank ist. "Diese Jagd nach Rendite zeichnete die West LB aus.“ Die Sparkasse Krefeld aber sei eine Bank für die Menschen in der Region, die sich durch ihr Vertrauen auszeichnet, viele Geschäftsstellen und Automaten bereitstellt und auch als verlässlicher Partner in Sachen Finanzierungen und Kredite auftritt. "Das muss aber nicht heißen, dass wir hier in der Provinz arbeiten. Wir ermöglichen vielen mittelständischen Unternehmen den Schritt ins Ausland, sind also keinesfalls nur auf Krefeld und Umgebung ausgerichtet.“ Auch für die Sparkasse sei es selbstverständlich, verschiedene Einrichtungen zu unterstützen. Ein siebenstelliger Eurobetrag wurde zuletzt bereitgestellt, sei es für das Mies van der Rohe-Golfclub-Modell auf dem Egelsberg, die Lesetreppe in der Mediothek oder Wettbewerbe wie "Jugend musiziert“. "Zudem engagieren wir uns als Sparkasse auch in Schulen, wo wir verschiedene Programme anbieten und den Kindern und Jugendlichen so einen Einblick in den Umgang mit Geld und in die Finanzwirtschaft geben.“

Ulrich Cloos, Leiter des Fachbereichs Marketing und Stadtentwicklung der Stadtverwaltung, bedankte sich im Anschluss einer kurzen Diskussionsrunde bei den Rednern und gab auch schon einen Ausblick auf die kommenden Themen. "Das nächste Mal reden Krefelder über Düsseldorf, danach dann über Kompositionen. Es bleibt spannend.“

Bildunterschrift: Dr. Birgit Roos, Vorsitzende der Sparkasse Krefeld (links), und Kerstin Abraham, Vorstandsmitglied der Stadtwerke Krefeld (rechts) im Gespräch mit Professor Hans-Hennig von Grünberg, Präsident der Hochschule Niederrhein, bei der Veranstaltung "Krefelder reden". (Foto: Stadt Krefeld)


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