Krefeld verabschiedet Mobilitätskonzept 2030+

Besondere Lösung für die vier Wälle angestrebt

Der Rat der Stadt Krefeld hat das Mobilitätskonzept 2030+ final beschlossen und damit eine grundsätzliche verkehrliche Umgestaltung Krefelds eingeleitet.

Krefeld - Das Mobilitätskonzept ist seit 2019 mit einer breiten Beteiligung der Bürgerschaft entstanden. Alle Verkehrszwecke, Verkehrsmittel und Verkehrsnetze werden in diesem übergeordneten Konzept berücksichtigt. Ein besonderer Fokus soll dabei auch auf die Entwicklung der Nahmobilität - Fahrradwege, Fußwege sowie Öffentlicher Personennahverkehr - gelegt werden. Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer sagt: „Mit diesem Konzept setzten wir unseren Weg fort, die Verkehrswende in die Tat umzusetzen. Es enthält viele konkrete Veränderungen, die nicht isoliert betrachtet werden, wie es in der Vergangenheit häufig der Fall war, sondern die zusammenwirken und sich ergänzen. Ich freue mich auf die Umsetzung, denn die Ideen des Konzepts werden Krefeld sichtbar nach vorne bringen."

Die Stadtverwaltung hatte mit Unterstützung des Büros LK Argus von 2019 bis zum Frühjahr 2021 das Mobilitätskonzept 2030+ erarbeitet. Es zeigt Leitbilder für die verkehrliche Entwicklung der Stadt in den nächsten Dekaden auf und definiert konkrete Umsetzungsprojekte. Das Mobilitätskonzept wurde in einem zweistufigen Verfahren entwickelt. In der Analyse der städtischen und verkehrlichen Rahmenbedingungen sind gesamtstädtische Handlungsfelder und sogenannte räumliche Vertiefungsbereiche identifiziert und aufbauend darauf das Leitbild entwickelt worden. In der zweiten Stufe wurden dann für die einzelnen Handlungsfelder und Vertiefungsbereiche Maßnahmen und Konzepte erarbeitet. Dabei wurde die Öffentlichkeit intensiv beteiligt. Ideenwerkstätten und Onlinebeteiligungsverfahren wurden von den Bürgern umfassend genutzt. Begleitet wurde der Prozess durch einen Expertenbeirat, in dem Vertreter der Verwaltung, der Politik, der Verkehrsbetriebe, der Träger öffentlicher Belange und weitere Experten verschiedener Interessensverbände vertreten waren.

"Jetzt heißt es, die Umsetzung gut vorzubereiten"
„Dass wir jetzt ein Konzept haben, an dem so viele mitgearbeitet haben und mit dem sich die Akteure identifizieren können, ist klasse. Jetzt heißt es, die Umsetzung gut vorzubereiten. Hierzu werden wir als Verwaltung einen Vorschlag machen, der die entwickelten Maßnahmen konkretisiert und priorisiert, damit wir uns zügig auf den Weg machen können", sagt Krefelds Planungsdezernent Marcus Beyer. Im Besonderen wird es nun um folgende Fragen gehen: Welche Maßnahmen sind für die Gesamtstadt besonders wichtig? Was soll in den sogenannten Vertiefungsbereichen zuerst realisiert werden? Welche Maßnahmen bauen aufeinander auf? In welcher Reihenfolge müssen die Maßnahmen dann kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt werden? Das Umsetzungskonzept wird der Politik erneut vorgelegt. Schlussendlich wird damit mit einer Vielzahl von Maßnahmen das Ziel erreicht werden können, das sich die Stadt im Leitbild 2030+ gegeben hat: die gleichberechtigte Priorität für alle Formen der Mobilität. Der Fokus soll nicht mehr zentral auf einer autogerechten Stadt liegen, sondern es soll ein Wandel eingeleitet werden hin zu einer Stadt mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität. Alle bestehenden und in aktuell in Bearbeitung befindlichen Konzepte und Gutachten sind bei der Erstellung des Mobilitätskonzeptes berücksichtigt worden.

Alle Verkehrsarten werden berücksichtigt
Eine Vielzahl von Vorschlägen ist in dem Konzept enthalten - berücksichtigt werden dabei alle Verkehrsarten. Als sinnvoll erachtet werden etwa die Einrichtung von zusätzlichen Schienen-Haltepunkten und eine Erweiterung des Straßenbahnnetzes. Für den PKW-Verkehr geht es zum Beispiel um eine Neuorganisation des Vorbehaltsnetzes zur Bündelung und flüssigen Abwicklung der überörtlichen Kfz-Verkehre und des Schwerlastverkehrs. Für die K-Bahn wird eine Angebotsverbesserung mit Zehn-Minuten-Takt angeregt, für die Straßenbahn generell ein einheitlicher 7,5- beziehungsweise 15-Minuten-Takt sowie eine Verdichtung des Netzes. Beim Busverkehr soll demnach ein einheitlicher 15- oder 30-Minuten-Takt gelten. Am Hauptbahnhof und im Bereich Ostwall soll der Verkehr besser geführt werden. Eine Vorrangschaltung für den ÖPNV an Ampelkreuzungen soll umgesetzt werden. Bei entsprechender Flächenverfügbarkeit sind Umweltspuren angedacht.

Weitere Einbahnstraßen sollen für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben werden. An Modellkreuzungen soll der Verkehr mit Induktionsschleifen besser fließen, und per Grünpfeil soll ein schnelleres Abbiegen nach rechts für den Radverkehr möglich sein. Mit Fußgängerachsen und Flaniermeilen sollen die Bedingungen für Fußgänger verbessert werden, Bereiche sollen nach dem Shared-Space-Prinzip ausgebaut, Grünräume verknüpft werden. Im Mobilitätskonzept geht es auch um den Ausbau von Carsharing-Angeboten, von Leihfahrrad-Angeboten und Mobilstationen.

Besondere Lösung für die vier Wälle angestrebt
Vier Vertiefungsbereiche werden im Konzept definiert. Für die Innenstadt wird ein Fokus auf die vier Wälle gelegt. Das Ziel ist dort eine „autoreduzierte Innenstadt" und die deutliche Begrünung. Im Bereich zwischen den Ringstraßen und den Wällen soll maximal Tempo 30 gelten. Für den KFZ-Verkehr soll auf den Wällen eine Einbahnstraßenregelung entgegen des Uhrzeigersinns auf den äußeren Fahrspuren gelten. Die innenliegenden Fahrspuren sollen dem Umweltverbund - Fußgängerverkehr und Radverkehr - dienen. Ausnahmen soll es dabei für Anliegerverkehre und das Anfahren einzelner Parkhäuser geben. Für Fischeln, Hüls und den Hafenbereich geht es um eine Verbesserung der Verkehrssituation, insbesondere das Zusammenspiel von Kfz-Verkehr, ÖPNV und auch Radfahrern.