10.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Krefeld ist im "Häkelkosmos"

Krefeld ist im "Häkelkosmos"

Ausstellung rund ums Häkeln im Textilmuseum

Im Deutschen Textilmuseum Krefeld läuft die neue Ausstellung "Häkelkosmos - Vom Korallenriff zum schwarzen Loch". Erstmals präsentiert das Haus am Andreasmarkt eine Ausstellung rund ums Häkeln.

Krefeld - Gezeigt werden Kunstwerke, die sich mit der Natur und naturwissenschaftlichen Themen befassen. Prominentestes Objekt ist das "Föhr Riff", eine Leihgabe des "Museums Kunst der Westküste" auf der Nordseeinsel Föhr. Zudem zeigt das Museum Arbeiten der Künstlerinnen Katharina Krenkel, Silke Bosbach, Susan Feind und Ulrike Waltemathe. Eine Gruppe Krefelder Senioren hat ferner ein eigenes "Krefelder Riff" angefertigt. Zum ersten Mal wird auch die Fassade als Ausstellungsfläche genutzt. Die Künstlerin Katharina Krenkel hat aus Video- und Absperrbändern Schmarotzerpflanzen und Pilze gehäkelt.

Der neue "Star" des Häkelkosmos in Krefeld ist eindeutig das überwältigende "Föhrer Riff". Mit seinen roten, blauen, grünen und gelben Korallen füllt es den zentralen Freiraum des Textilmuseums gänzlich aus. Das Riff besteht aus circa 5000 Einzelstücken, die von rund 700 Menschen hergestellt worden sind. Es entstand vor gut zwei Jahren als Kooperation zwischen dem Museum Kunst der Westküste und dem "Institute For Figuring" aus Los Angeles, welches sich der Ästhetik und Visualisierung mathematischer und naturwissenschaftlicher Theorien widmet. Im gehäkelten Korallenriff vereinen sich die Mathematik hyperbolischer Räume, ein ökologisches Statement und die uralte Kulturtechnik des Häkelns zu einem kollektiven Kunstprojekt. "In Krefeld können Besucher das Föhrer Riff erstmals von allen Seiten und auch von oben besichtigen", sagt Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums. Das Korallenriff soll auch an die bedrohte Schönheit maritimer Ökosysteme erinnern. Natürliche Korallenriffe stellen einzigartige Biosphären dar, in denen unzählige andere Tier- und Pflanzenarten leben. Durch Verschmutzung des Meerwassers, Überfischung und Klimaerwärmung ist heute bereits über ein Fünftel aller Korallenriffe weltweit verschwunden.

Im Gegensatz zu dem farbenfrohen "Föhrer Riff" steht die stille und schlicht anmutende Arbeit "Seepocken" von Silke Bosbach. Auf einen Holzposten setzte sie eine Gruppe weißer Seepocken. Das Objekt wird, wie andere ihrer Werke in der Ausstellung, durch ihre Fotografien ergänzt. Im Erdgeschoss befindet sich außerdem die Position "Seepockenvarianten". Die in der Natur scharfkantigen Lebewesen verlieren durch das verwendete Material Wolle ihre notwendige Härte, um sich im rauen Meer behaupten zu können. Sie wirken durch die Wolle weich und verletzlich. "Sie hat nicht akribisch versucht, die Natur nachzubilden", so Schick. Bereits im Foyer empfängt die Besucher eine Arbeit von Katharina Krenkel: Aus Videobändern häkelte sie schwarze Giftpilze, die so auch die Giftigkeit ihres Basismaterials thematisiert.

Der naturwissenschaftliche Aspekt der Ausstellung "Häkelkosmos" fokussiert sich in der ersten Etage des Textilmuseums: Schwarze Löcher, Kernspaltung, Atome, geologische Formationen, Pollen und Pflanzen. Die "Schwarzen Löcher" von Susan Feind sind die einzigen Objekt, welche die Besucher nicht nur anfassen dürfen. Die Besucher sind eingeladen, sich in die "Schwarzen Löcher" zu begeben. Die Künstlerin betrachtet sie als "Ruheräume". "Einige sind so dicht, dass man sich nur noch auf das Hören konzentriert. Man muss es ausprobieren, weil sie unterschiedlich in ihrer Wirkung sind", so Feind, die von den Beiträgen der anderen Künstlerinnen fasziniert ist. Unter anderem von den "Schwarzen Löchern" der Künstlerin Katharina Krenkel. "Sie haben zwar dasselbe Thema, aber gang andere Ansätze", sagt Schieck.

Die Basis für Krenkels Schwarze Löcher bildet eine schwarze, gehäkelte und faltige "Decke". Der Betrachter schaut auf einen gekrümmten Weltraumausschnitt, wo scheinbar Gravitationsfelder den Raum stauchen oder strecken. Neben dieser Installation hat sie zwei weitere Felder arrangiert: eines mit bunten Atomen, welche aus unterschiedlichen Schichten Wolle und Garnen bestehen, ein zweites, auf dem Atomkerne gespalten sind und ihr Innerstes offenbaren. Einen Mikrokosmos erschließt eine verspielte Arbeit von Ulrike Waltemathe. "Kleine praktische Familienhelfer" lautet ihre fantasievolle Position mit Pollen und anderen organischen Formen.

Dem Deutschen Textilmuseum Krefeld ist es gelungen, Naturwissenschaft und Textilkunst in einem Kosmos zu vereinen. Die Besucher sind eingeladen, sich auf eine Reise zu bislang unbekannten Maschenwelten aufzumachen und diese zu entdecken. Zur Ausstellung "Häkelkosmos - Vom Korallenriff zum schwarzen Loch" wird es ein umfangreiches Führungs- und Vortragsprogramm sowie Workshops und eine zusätzliche Sonderausstellung geben. Zu dem ist eine Land Art Kunstaktion im August geplant.


Tags:
  • Häkelkosmos - Vom Korallenriff zum schwarzen Loch
  • Deutsches Textilmuseum
  • Krefeld
  • Ausstellung
  • Häkeln
Krefeld ist im "Häkelkosmos"
Werbung

Copyright 2018 © Xity Online GmbH