KreativQuartier Niederfeldstraße

Vorzugsvariante entwickelt und vorgestellt

Nachdem im Februar und März 273 Bürgerinnen und Bürger an der Onlinebefragung teilgenommen hatten, wurde vorgestellten drei Varianten eine Vorzugsvariante entwickelt.

Leverkusen - Die Vorzugsvariante für die Entwicklung des KreativQuartiers Niederfeldstraße liegt nun vor. Nachdem im Februar und März 273 Bürgerinnen und Bürger an der Onlinebefragung teilgenommen hatten, wurde aus ihren Rückmeldungen zu den vorgestellten drei Varianten eine Vorzugsvariante entwickelt. Da der Grundsatzbeschluss im Rat der Stadt Leverkusen bereits gefasst wurde, die Fläche als gewerblichen Standort herauszubilden, wird diese Vorzugsvariante als weitere Planungsgrundlage am 6. September der Politik in einem gesonderten Informations-Termin vorgestellt. Danach gehen die Flächen in eine entsprechende Bauleitplanung und Vermarktung.

„Wir starten in die Verwirklichung dieses Konzepts auf einer Grundlage, die eine breite Zustimmung erfährt. Denn es waren die Rückmeldungen aus der Bürgerschaft, die diese Vorzugsvariante modelliert haben“, sagt Baudezernentin Andrea Deppe. „Die drei online vorgestellten Planungskonzepte hatten sowohl Zustimmung als auch Kritik erfahren. Deshalb wurden nun die als Vorteile bewerteten Charakteristika übereinandergelegt und daraus eine neue eigenständige Variante entwickelt.“

Auf Grundlage der Variante „Grüne Cluster“ ist auf diese Weise ein neues Konzept entwickelt worden. Denn für alle Varianten waren der hohe Freiflächenanteil, Fassaden- und Dachbegrünungen, Solarkollektoren und die Mobilitätsstation als Vorteile bewertet worden, die fehlende Struktur des Grünen Clusters allerdings bemängelt worden. Die Vorzugsvariante wurde so angepasst, dass im Inneren eine freie, durchgrünte Struktur entsteht und nach außen hin klare Raumkanten geschaffen werden.

Zentraler Baustein der Vorzugsvariante sind drei zentrale grüne Cluster, in denen kleine Gewerbeeinheiten gemeinsame Höfe in der Mitte ausbilden. In das nördliche Cluster werden die geplante Einrichtung der sozialen Fürsorge und der Hochbunker aufgenommen. Maximal dreigeschossig fügen sich die Gebäude in den Charakter und die Struktur des Umfeldes ein. Ein Quartiersplatz am Bunker soll sowohl Anwohnerinnen und Anwohnern als auch den dort Beschäftigten zur Verfügung stehen. Der Binnenverkehr soll weitestgehend aus dem KreativQuartier herausgehalten werden. Erreicht werden soll dies u.a. durch eine neue Mobilitätsstation. Gegenüber der Kirche St. Antonius ist eine „Grüne Mitte“ in Form einer naturnahen Gestaltung vorgesehen. Von dort aus führt eine Fußgängerachse zum Bunker und dem Quartiersplatz.

Zwischen Kreuzhof und Niederfeldstraße können bis zu neun Baufelder geschaffen werden, die nach Einschätzung der Wirtschaftsförderung Leverkusen GmbH (WFL) gut vermarktbar sind und der Nachfrage nach dienstleistungsorientierten Gewerbeflächen entsprechen. Die Grundstücke ermöglichen laut Konzept eine Einzelvermarktung, die einzelnen Gebäudekörper erlauben eine flexible gewerbliche Nutzung und ergänzende gewerblich-kulturell-kreative Nutzungen. Die WFL wird mit dem Standort als gewerbliche Entwicklungsfläche auf den beiden Messen Polis und ExpoReal vertreten sein. Auf Grundlage der Vorzugsvariante wird zudem nun parallel Planungsrecht geschaffen. Das Vorgehen bzw. Verfahren ist formal geregelt. Hier wird zunächst ein Aufstellungsbeschluss eingeholt, bevor daran anschließend u.a. die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit stattfindet.

Brachflächen konnten lange nicht entwickelt werden

Schon 2005 gab es erste Ideen, dieses Areal neben der damaligen Landesgartenschau zu bebauen, planungsrechtlich wurde das im Bebauungsplan Nr. 153/I Landesgartenschau/Stadtkante“ festgehalten. Damals sollte dort Wohnbebauung entstehen. Aufgrund aktueller Maßgaben des Störfallrechts – umgesetzt im gesamtstädtischen Seveso-II-Konzept - und der damit einhergehenden Restriktionen hinsichtlich schutzbedürftiger Nutzungen konnten diese Planungen jedoch nicht weiterverfolgt werden. Die Fläche blieb in der Folge seither unbebaut. Das Areal schöpfte damit sein Potential in der reizvollen Lage zwischen Rhein und City lange nicht aus. Im November 2018 wurde daher der Beschluss gefasst, die Fläche als gewerblichen Standort herauszubilden.

Seit Mitte 2020 arbeiten die Planungsbüros Reicher Haase Assoziierte (RHA) aus Dortmund und Greenbox Landschaftsarchitekten aus Köln im Auftrag der Stadt Leverkusen an der Entwicklungsstudie Niederfeldstraße. Sie untersuchten die Flächen zwischen der Niederfeldstraße, dem Kreuzhof und der Hauptstraße in Leverkusen-Wiesdorf auf ihr Potential im Rahmen der gesetzlich vorgegebenen Möglichkeiten. Das gesamtstädtische Seveso-II-Konzept schließt für große Teile des Plangebietes Wohnnutzungen und publikumsintensive Nutzungen aus.

Um die Rahmenbedingungen des Plangebietes zu erfassen, wurden im Herbst 2020 Gespräche mit lokalen Akteuren aus dem direkten Umfeld des Entwicklungsbereiches geführt. Ziel war es, die Interessen sowie die Nutzungs- und Entwicklungsbedürfnisse der Akteure abzufragen. Mit folgenden Akteuren wurden Gespräche geführt: St. Josef Krankenhaus, Bayer Real Estate, Currenta, St. Stephanus Gemeinde der St. Antoniuskirche, „Plan B IT GmbH“ als Eigentümer des Hochbunkers, Paeschke Unternehmensgruppe als Entwickler einer anliegenden Wohnbebauung. Ein Expertenworkshop im September 2020 mit Vertretern der verschiedenen Fachbereiche der Stadt Leverkusen, der WFL sowie Vertretern aus der Kreativwirtschaft diente der Diskussion über Zielvorstellungen und Anforderungen an das Quartier.

Nach der Analyse aller Standortfaktoren entwickelten die Planungsbüros RHA und Greenbox drei unterschiedliche städtebauliche Entwurfsvarianten, die im Februar und März im Rahmen einer Online-Bürgerbeteiligung zur Diskussion gestellt wurden. Da Öffentlichkeitsbeteiligungen in der Pandemie nicht als Präsenzveranstaltung organisiert werden konnten, hat die Stadt Leverkusen es ihren Bürgerinnen und Bürgern über diesen Weg ermöglicht, sich online zu informieren, eine Meinung zu bilden und zu den drei dargestellten Varianten Vorschläge zu machen. Insgesamt 273 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an der Onlinebefragung. Die daraus entwickelte Vorzugsvariante liegt nun als Grundlage für die weitere Planung vor.

Das Projekt wird finanziell unterstützt durch die Städtebauförderung von Bund und Land.