19.11.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> KfW-Studie: Produktivität im Osten noch immer geringer

KfW-Studie: Produktivität im Osten noch immer geringer

25 Jahre nach dem Fall der Mauer

25 Jahre nach dem Mauerfall hat der Osten Deutschlands einer Studie zufolge bei der Wirtschaftsleistung und beim Einkommen kräftig aufgeholt.

Berlin - Laut einer Untersuchung der staatlichen Förderbank KfW fiel das Pro-Kopf-Wachstum in den neuen Ländern praktisch genauso stark aus "wie das in Westdeutschland zur Wirtschaftswunderzeit".

Entscheidende Voraussetzung für den Aufschwung in den neuen Bundesländern waren die hohen Investitionen. Nach der Wende flossen insgesamt rund 1,6 Billionen Euro Investitionen in den Aufbau Ost. Mittlerweile liegt die Wirtschaftsleistung im Osten der Studie zufolge bei rund zwei Drittel des Westniveaus.

Die Verbesserungen spüren die Ostdeutschen laut KfW in ihrem Portemonnaie. 2013 betrug das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen in Ostdeutschland 17.700 Euro – das waren 84 Prozent des westdeutschen Niveaus. Vor zwanzig Jahren waren es erst 53 Prozent. Dabei zeigen sich inzwischen erhebliche regionale Unterschiede. So sind in einigen Landkreisen und kreisfreien Städten um Berlin, in Sachsen und im südwestlichen Thüringen die verfügbaren Einkommen zum Teil höher als im strukturschwachen nordwestlichen Niedersachsen sowie in Teilen des Ruhrgebiets.

Dem Osten ist nach Aussage von KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner ein "historischer Wirtschaftsaufschwung" gelungen. Wären die ostdeutschen Länder ein eigenes Land, lägen sie mit ihrem Bruttoinlandsprodukt je Einwohner heute auf Platz 14 in der EU. Auch die regionalen Unterschiede in Deutschland seien inzwischen auf das in den großen Industrieländern übliche Normalmaß geschrumpft.

Allerdings liegt die Arbeitsproduktivität im Osten nach wie vor nur bei drei Vierteln (76 Prozent) des Westniveaus. Ein Grund ist unter anderem, dass es im Osten weniger exportstarke Branchen wie Fahrzeugbau und Maschinenbau und auch nur wenige große Unternehmen gibt. Es gebe aber nicht nur ein West-Ost-Gefälle, sondern auch ein Nord-Süd-Gefälle. Im internationalen Vergleich sei kein Land bei der Arbeitsproduktivität völlig ausgeglichen, so Zeuner.

Als weitere Stärke Ostdeutschlands zählt die KfW die gute Kinderbetreuung, die es mehr Frauen ermöglicht, arbeiten zu gehen. Die Betreuungsquote bei den unter Dreijährigen lag 2013 im Osten mit knapp 50 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Westen.

Zu den Problemfeldern und großen Herausforderungen zählt die Studie indes die immer noch relativ hohe Arbeitslosigkeit und die demografische Entwicklung. Ostdeutschland habe seit 1991 bereits 15 Prozent seiner Bevölkerung verloren. Auch künftig würden die neuen Länder vom Bevölkerungsschwund und der Überalterung besonders betroffen sein, wenngleich auch nicht flächendeckend. Vor allem der sogenannte Speckgürtel um Berlin dürfte aber entgegen dem allgemeinen Trend bis 2030 noch weiter an Bevölkerung gewinnen.

Bei der Arbeitslosigkeit schließt sich die Ost-West-Schere - wenn auch langsam. 2013 betrug die Differenz zwischen neuen und alten Bundesländern - bedingt auch durch die gute Konjunktur - noch 4,3 Prozentpunkte. Im Jahr 2000 waren dies 9,5 Punkte Unterschied.

(xity, AFP)


Copyright 2018 © Xity Online GmbH