17.07.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Kein Prozess gegen mutmaßlichen früheren SS-Wachmann

Kein Prozess gegen mutmaßlichen früheren SS-Wachmann

Gericht lehnt Hauptverfahren gegen Hans L. ab

Ein mutmaßlicher früherer SS-Wachmann im Konzentrationslager Auschwitz muss sich voraussichtlich nicht wegen Beihilfe zum Mord vor Gericht verantworten. Der Grund: Das Gericht hält den 94-Jährigen für verhandlungsunfähig.

Ein mutmaßlicher früherer SS-Wachmann im Konzentrationslager Auschwitz muss sich voraussichtlich nicht wegen Beihilfe zum Mord vor Gericht verantworten. Das Landgericht Ellwangen lehnte in einem Beschluss die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen den 94-jährigen Hans L. wegen Verhandlungsunfähigkeit ab. Der Beschuldigte leidet demnach an Demenz.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte Hans L. vorgeworfen, von 1941 bis 1943 mehrere Wochen lang Wachbereitschaft im KZ Auschwitz gehabt und so "den Lagerbetrieb und damit die Vernichtungsaktionen" unterstützt zu haben. Bereits im Dezember hatte das Landgericht Ellwangen die Freilassung von Hans L. aus der Untersuchungshaft angeordnet. Es entschied nun zudem, dass ihm dafür Entschädigung zustehe. Gegen die Entscheidung des Gerichts kann Beschwerde eingelegt werden.

Zu der Verhandlungsunfähigkeit des Beschuldigten erklärte das Gericht, vor allem dessen Kurzzeitgedächtnis sei "erheblich gestört". Es sei deshalb insgesamt "nicht in der Lage, die schwerwiegenden Anklagevorwürfe im einzeln zu erfassen, sich mit ihnen differenziert auseinanderzusetzen und in einer voraussichtlich langwierigen Hauptverhandlung in verständiger Weise von seinen Verfahrensrechten Gebrauch zu machen".

Die zuständige Kammer stützt sich laut Gerichtsangaben bei ihrer Entscheidung auf den "eigenen persönlichen Eindruck" von dem Beschuldigten sowie ein psychiatrisches Gutachten.

© 2014 AFP


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