Kein Ersatz für erbbedingt fehlende weibliche Brust

BSG: Krankenkassen müssen keine Brust-Operation bezahlen

Frauen, die wegen einer Erbkrankheit keine Brüste haben, können laut einem Gerichtsurteil von ihrer Krankenkasse keine Kostenerstattung für eine künstliche Brust verlangen.

Kassel - Die fehlende Brustanlage sei "für sich genommen keine behandlungsbedürftige Krankheit", entschied am Dienstag das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel. (Az: B 1 KR 35/15 R)

Es wies damit eine heute 31-jährige Frau aus Sachsen-Anhalt ab. Sie leidet an einer erblichen Knochenkrankheit, die zu einer Verzögerung ihrer Pubertät führte. Trotz Einsatz eines Hormonpräparats entwickelte sich bei ihr keine weibliche Brust.

Bei ihrer Krankenkasse beantragte sie Kostenübernahme für eine Operation für die Anlage einer künstlichen Brust. Die Krankenkasse lehnte dies ab.

Zu Recht, wie nun das BSG entschied. Mit der gewünschten Operation könne die Erbkrankheit der Frau nicht behandelt und insbesondere auch ihre Fähigkeit zu Stillen nicht herbeigeführt werden.

Die fehlende Brust aber sei keine Krankheit, sondern lediglich eine Abweichung vom üblichen Körper. Die Krankenkassen seien daher nur leistungspflichtig, wenn körperliche Funktionen beeinträchtigt seien oder wenn das Erscheinungsbild schon bei flüchtigen Kontakten "regelmäßig zur Fixierung des Interesses Anderer führt". Beides sei hier nicht der Fall.

Auch das Argument einer Gleichbehandlung mit Brustkrebspatientinnen und Transsexuellen wies das BSG ab. Bei Brustkrebs gehe es darum, nach Entfernung einer Brust den vorherigen Zustand soweit möglich wieder herzustellen. Die Klägerin dagegen wünsche einen "neuen Zustand". Bei Transsexuellen seien Brustoperationen Teil eines umfassenden körperlichen und psychischen Angleichungsprozesses. Vergleichbare psychische Probleme habe die Klägerin nicht.

(xity, AFP)